Nach den langen Sommerferien gehen an diesem Montag, 1. September, in Flandern rund 1,2 Millionen Schülerinnen und Schüler sowie mehr als 170.000 Lehrkräfte und andere Mitarbeiter wieder zur Schule. Und auch für die flämische Bildungsministerin Zuhal Demir (N-VA) steht in diesem Schuljahr viel Arbeit an. Wo liegen die Herausforderungen in diesem Schuljahr?
In erster Linie mit Sicherheit beim Lehrkräftemangel. Mittlerweile fehlen mehr als 3.700 Lehrerinnen und Lehrer in den flämischen Schulen und das belastet den Unterricht. Auch die Qualität der Bildung leidet darunter. Daher ist es mehr als dringend erforderlich, den Lehrerberuf in Flandern attraktiver zu gestalten. Bildungsministerin Demir beabsichtigt, noch in diesem Monat ein Treffen mit den verschiedenen Bindungsbehörden und Schulträgern sowie den Gewerkschaften anzuberaumen, um endlich einen verbesserten Karriereplan für Lehrkräfte zu erarbeiten.
Ihre drei Vorgänger im Bildungsbereich hatten dabei schon keinen Erfolg… Es bleibt abzuwarten, ob es dieses Mal einen Durchbruch geben wird. Ein mögliches Problem innerhalb dieses Problems ist die umfassende rund umstrittene Rentenreform der belgischen Bundesregierung um Premierminister Bart De Wever (N-VA), die auch das Lehramt nicht verschont. Dagegen kämpfen die Unterrichts-Gewerkschaften in allen Ländern und Regionen.
Kapazitätsmangel in der Sonderpädagogik und Sparmaßnahmen
Eine weitere große Herausforderung ist der Mangel an freien Plätzen in der Sonderpädagogik mit Kindern, die dort seit Jahren auf der Warteliste stehen. Der Kapazitätsmonitor in diesem Bereich in Flandern zeigt auf, dass es in 5 Jahren sogar fast 6.000 Plätze zu wenig geben wird, wenn nicht bald entsprechende Maßnahmen ergriffen werden. Deshalb will Ministerin Demir jetzt einen anderen Ansatz verfolgen und "Schulen für alle" schaffen, in denen Schülerinnen und Schüler mit besonderen Bedürfnissen in „normalen Klassen“ dem Unterricht folgen. Dazu soll noch diesem Herbst eine flandernweite Beratung zum Thema „inklusiven Bildung“ organisiert werden.
Muss die flämische Bildungsministerin nicht auch sparen? In den kommenden Jahren müssen 159 Mio. € im Sekundarbereich eingespart werden, z.B. durch eine effizientere Organisation der Unterrichtssektoren und Fächer sowie der Stundenpläne. Aber auch das ist keine leichte Aufgabe, angesichts schon jetzt überall mangelnden Kapazitäten.

