Im flämischen Schulwesen fehlen kurz vor Beginn des neuen Schuljahres etwa 3.700 Lehrkräfte mit Ganztagsstatus. Dies geht aus einer neuen Studie des Bildungsministeriums in Flandern hervor. Etwas mehr als 3,5 % der Vollzeitstellen im Primar- und Sekundarbereich sind noch nicht abgeschlossen.
Wieder einmal scheint der Mangel an Lehrkräften in Brüssel an den niederländischsprachigen Schulen am größten zu sein: Etwa 10 % des Lehrerteams fehlen dort in den Grundschulen und etwa 7 % in der Sekundarstufe. An zweiter Stelle steht die Region Halle-Vilvoorde am Brüsseler Rand in Flämisch-Brabant und auch in der Provinz und der Stadt Antwerpen ist der Mangel groß: Dort fehlen mehr als 4 % des eigentlich notwendigen Kollegiums.
In den hier genannten Regionen haben Lehrkräfte oft nicht das erforderliche Diplom. Die Zahl der Lehrkräfte vor der Klasse ohne pädagogisches Diplom steigt in ganz Flandern weiterhin leicht an, insbesondere wenn Schulen z.B. nach Fachlehrkräften für Mechanik- oder Elektrikerklassen suchen: Mehr als die Hälfte der Kandidaten verfügen über kein pädagogisches Diplom, sondern lediglich über einen fachlichen Nachweis.
115.000 Unterrichtsstunden ohne Unterricht?
Der Grund für den Mangel sei vor allem die Interpretation des Berufs, so Flanderns Bildungsminister Zuhal Demir (N-VA): „Ein Lehrer muss unterrichten, weil er das am besten kann. Zu oft stehen Lehrer nicht vor der Klasse. Während der Unterrichtszeit gehen sie anderen Tätigkeiten nach, die oft auch von anderen Mitarbeitern übernommen werden können.“ Diese Feststellung lässt sich auch konkret beziffern: Lehrkräfte verbringen mehr als 115.000 Unterrichtsstunden pro Schuljahr mit anderen Aufgaben als dem eigentlichen Unterrichten.
In der Grundschule verlagert sich diese Unterrichtszeit hauptsächlich auf „unterstützende Kernaufgaben des Lehrers“, was so viel bedeutet wie die Vorbereitung des Unterrichts und die Verbesserung von Aufgaben und Tests. Auch die Erstberatung nimmt einige Zeit in Anspruch: Ein erfahrenerer Lehrer kümmert sich offenbar oft um einen jungen Berufskollegen oder um einen Quereinsteiger im Schulwesen zu Beginn von dessen Laufbahn an der jeweiligen Schule.
