Flämische und französischsprachige belgische Universitäten fordern das belgische Außenministerium auf, bedrohten palästinensischen Wissenschaftlern aus dem Gazastreifen die Arbeit in Belgien nicht durch die strikte Einhaltung der Vorschriften zu erschweren. Sie bitten um mehr Verständnis für die außergewöhnlichen Umstände, die es den Kandidaten manchmal unmöglich machen, die erforderlichen Dokumente zu beschaffen. Das Ministerium hat darauf geantwortet, dass es derzeit nicht möglich sei, die bestehenden Evakuierungspläne für Belgier und ihre Angehörigen auszuweiten.
Belgische Universitäten wollen Wissenschaftlern aus Gaza die Arbeit an hiesigen Uni‘s ermöglichen (VIDEO)
„Alle flämischen Universitäten haben ein Stipendienprogramm“, erklärt Jan Danckaert, Rektor der Flämischen Freien Universität Brüssel (VUB) und Vorsitzender des Flämischen Interuniversitären Rates (VLIR). „Ein Beispiel: Wir beteiligen uns am Stipendienprogramm ‚Scholars at Risk‘. Dieses bietet bedrohten Wissenschaftlern aus allen Ländern – derzeit insbesondere aus Palästina – die Möglichkeit, in unseren Labors und Forschungsgruppen zu arbeiten.“
Ahmed Alsalibi, 39, aus dem Gazastreifen, ist einer dieser bedrohten Wissenschaftler. Er ist Dekan der Fakultät für Ingenieurwesen und Informationstechnologie an der Israa-Universität in Gaza und sollte im Oktober 2024 mit einem Stipendium an der frankophonen Freien Universität Brüssel (ULB) zu arbeiten beginnen. Sein Visum und seine Arbeitserlaubnis sind in Ordnung, aber um sie zu erhalten, muss er zur belgischen Botschaft in Ägypten reisen, was unmöglich ist, da die Israelis die Grenzen des Gazastreifens geschlossen halten.
„Ich wende mich an die belgische Regierung und Öffentlichkeit, um um Ihre Unterstützung zu bitten. Durch meine Universität und meine Arbeitserlaubnis bin ich rechtlich an Belgien gebunden und bitte nur um die Chance, zu überleben und einen Beitrag zum akademischen Bereich zu leisten. Bitte helfen Sie uns, sicher aus Gaza zu fliehen, damit ich meinen Platz an der ULB einnehmen und meinem Sohn die Chance geben kann, in Frieden zu leben.“
„Diese Liste wurde im Oktober 2023 von der vorherigen Regierung erstellt. Seitdem hat sich die Lage im Gazastreifen verschlechtert. Wir wissen, dass es mittlerweile immer mehr Anzeichen für einen Völkermord gibt. Wir fordern, dass alle gefährdeten Forscher aus dem Gazastreifen evakuiert werden.“
„Wir fordern das belgische Außenministerium auf, die bestehenden Regeln einzuhalten, aber etwas Flexibilität zu zeigen“, sagt VLIR-Präsident Jan Danckaert. „Wir sehen in der Tat, dass Menschen manchmal nicht in der Lage sind, die erforderlichen Dokumente zu beschaffen, weil sie nach Jerusalem reisen müssen – was nicht möglich ist – oder weil ihre Häuser bombardiert wurden. Wir bitten um Verständnis für diese außergewöhnlichen Umstände.“
Außenministerium bleibt bei seiner Haltung
In einer Reaktion an unsere Nachrichtenredaktion VRT NWS erklärt das belgische Außenministerium, dass eine Verlängerung der Evakuierungen derzeit nicht möglich ist.
„Im Oktober 2023 beschloss die vorherige Bundesregierung, die Evakuierung aus Gaza auf belgische Staatsbürger und anerkannte Flüchtlinge zu beschränken.“ Fast 500 Personen, die diese Kriterien erfüllen, wurden laut Angaben des Ministeriums auf eine Liste gesetzt.
„Trotz der vielen Hindernisse und Risiken hat die derzeitige Regierung beschlossen, diese Evakuierungen fortzusetzen. Die Minister sind sich bewusst, dass die Kriterien möglicherweise erweitert werden könnten. Derzeit liegt der Schwerpunkt jedoch auf der sicheren und effizienten Evakuierung der Personen, die bereits auf der Liste standen.“


