Die Oppositionspartei PS (frankophone Sozialisten) fordert die Einrichtung eines Untersuchungsausschusses im Geldwäschefall um den ehemaligen EU-Kommissar und Bundesminister Didier Reynders (MR, Foto). Dessen Partei, die frankophonen Liberalen MR, geben unterdessen an, dass Reynders nicht mehr Mitglied bei ihnen ist.
Frankophone Parteien in Belgien reagieren auf die neuen Entwicklungen im Fall Reynders
In den letzten Tagen berichteten die Medien landesweit, dass in Zusammenhang mit den Ermittlungen gegen Reynders Hausdurchsuchungen sowohl beim früheren Bahnmanager Jean-Claude Fontinoy (ein enger Vertrauter von Reynders schon zu Zeiten, als dieser noch aktiv in der belgischen Politik war), als auch bei einem bekannten Brüsseler Antiquitätenhändler durchgeführt wurden.
Deshalb fordern die frankophonen Sozialisten die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses im Fall Reynders, denn die neuesten Enthüllungen in Sachen mutmaßliche Geldwäsche würden den Vorgang in ein neues Licht rücken.
Reynders hatte u.a. hunderttausende Euro in Lose der Nationallotterie investiert. Die Lotterie und auch die Geldwäsche-SOKO CFI hatten Reynders bei der Brüsseler Staatsanwaltschaft angezeigt. Es geht um rund 1 Mio. €. Inzwischen wurde bekannt, dass Reynders teilweise über einen Mittelsmann - möglicherweise Jean-Claude Fontinoy - sehr oft Antiquitäten bei dem Brüsseler Händler erwarb. Bislang gelten beide aber nicht als Verdächtige.
Nicht mehr Mitglied bei der MR?
Georges-Louis Bouchez, der Vorsitzende der frankophonen Liberalen MR, sagte am Dienstag, dass Reynders nicht mehr Mitglied seiner Partei sei. Der Ex-Minister und frühere EU-Justizkommissar habe seine Mitgliedschaft am Jahresende 2024 nicht mehr verlängert.
Grund dafür könnte sein, dass Reynders sauer auf seine Partei ist, denn diese hatte sich seit Bekanntwerden der Ermittlungen gegen ihn nicht hinter ihn gestellt und damit praktisch aufs Abstellgleis gefahren. Vielleicht wollte er aber auch einem „medienwirksamen“ Parteiausschluss zuvorkommen…

