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Die Zukunft der Metrolinie 3: Die regionale Brüsseler Verkehrsgesellschaft stellt mehrere Szenarien vor

Die geschäftsführende Brüsseler Regionalregierung steht vor einer schwierigen Entscheidung über die Zukunft der Metrolinie 3. Wird das Projekt fortgesetzt, wird eine Pause eingelegt oder wird es sogar gestoppt? In einem Bericht, der dem frankophonen Rundfunk RTBF zugespielt wurde und den auch die Brüsseler Nachrichtenagentur BRUZZ einsehen konnte, schlägt die MIVB/STIB mehrere Szenarien vor.

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Der Bericht wurde von der scheidenden Brüsseler Regionalregierung in Auftrag gegeben. Da es bis auf weiteres keine vollwertige neue Regierung gibt, die Entscheidungen treffen kann, ist die MIVB/STIB darum gebeten worden, mögliche Vorgehensweisen in dem laufenden Projekt zu analysieren. Zusammenfassend werden in dem Bericht sechs mögliche Szenarien vorgestellt: Von der vollständigen Umsetzung der geplanten und laufenden Metro-Bauarbeiten bis hin zu ihrer vollständigen Einstellung.

Im ersten Szenario wird die Metrolinie 3 vollständig realisiert, von Albert in der Gemeinde Vorst bis Bordet in Evere. Hierfür rechnet die MIVB/STIB mit zusätzlichen Investitionen von 3,65 Mia. € ab 2026. Dies ist die klassische Variante, bei der die Region selbst für die Finanzierung der gesamten Metroinfrastruktur verantwortlich ist.

Das zweite Szenario ist dasselbe wie das erste, wird aber über eine öffentlich-private Partnerschaft  (Public Private Partnership - PPP) finanziert. Das bedeutet, dass ein externer Partner den Bau der U-Bahn vorfinanziert und die Region den Betrag über 30 Jahre zurückzahlt. Die zusätzlichen Kosten (zusätzlich zu den bereits getätigten Ausgaben) belaufen sich dann auf über 7 Mia. €. Obwohl die Metro-Infrastruktur mit der des ersten Szenarios identisch ist, ist dieses Möglichkeit aufgrund der Kosten, die mit der langfristigen Rückzahlung an einen privaten Partner verbunden sind, teurer.

Teilweise Umsetzung und Pause

In einem dritten, abgespeckten Szenario wird nur der bestehende Pre-Metro-Abschnitt (unterirdisch verlaufende Straßenbahnlinie) zwischen Albert und Brüssel-Nord auf Metro umgestellt. Die Verlängerung nach Bordet wird ganz gestrichen. Die zusätzlichen Kosten werden auf 1 Mrd. € geschätzt. Dem MIVB/STIB-Bericht zufolge ist diese Version zwar technisch möglich, aber in betrieblicher Hinsicht alles andere als ideal. So gibt es auf dieser begrenzten Strecke beispielsweise kein eigenes Depot, so dass die Metrozüge täglich von anderswo kommen müssen. Die Frequenz ist auf eine U-Bahn alle 3 Minuten und 25 Sekunden beschränkt und im Falle einer Panne würde die gesamte Strecke zum Stillstand kommen.

Das vierte Szenario ist eine 10-jährige Pause. In dieser Zeit passiert nichts und alle bisherigen Baustellen und Infrastrukturen bleiben unangetastet. Die Mehrkosten belaufen sich auf schätzungsweise 3,85 Mia. €. In der Zwischenzeit bleibt die bestehende Straßenbahnverbindung auf der Nord-Süd-Achse überlastet.

Die MIVB/STIB schlägt das fünfte Szenario als einen tragfähigen Kompromiss vor. Bei diesem stufenweisen Ansatz würde die Infrastruktur zwischen Albert und Brüssel-Nord zwar fertiggestellt, aber noch nicht als U-Bahn in Betrieb genommen. Stattdessen würde eine dritte Straßenbahnlinie den neuen Tunnel und die neue Metro-Station Toots Thielemans nutzen. Die U-Bahn würde dann erst später eingeführt werden - für den Abschnitt Albert-Nord ab 2039 und für Bordet-Nord frühestens ab 2046. Die geschätzten Kosten für dieses Szenario belaufen sich auf 3,81 Mia. €.

Interessantere Ideen?

Während sich dieses Szenario langfristig als teurer erweisen könnte als das erste, ist diese Version für die Brüsseler Regierung kurzfristig politisch attraktiver. In einer Mitteilung der Region heißt es, dass Szenario 5 in den nächsten drei Jahren 388 Mia. € kosten würde, während das erste Szenario 598 Mio. € für denselben Zeitraum vorsieht. Szenario 5 ermöglicht es, die Investitionen über einen längeren Zeitraum zu verteilen. Allerdings wird die Inbetriebnahme der Metrolinie 3 verschoben: Erst im Jahr 2046 würde die Metro vollständig in Betrieb genommen werden. Das erste Szenario sieht vorläufig das Jahr 2040 vor.

Ein letztes Szenario ist eine vollständige Stilllegung. Die Arbeiten würden schrittweise eingestellt, die Verträge gekündigt und der Zustand vor Baubeginn würde an den dann stillgelegten Baustellen wiederhergestellt. Dies würde weitere 224 Mio. € erfordern. Zusammen mit den bereits investierten 546 Mio. € belaufen sich die Gesamtkosten für die Stilllegung auf fast 800 Mio. €.

Zeitdruck

Die Entscheidung über die Metrolinie 3 kann nicht lange auf sich warten lassen. Ein wichtiger Knotenpunkt ist der Tunnel unter dem Südpalast. Dieser Tunnel ist für die Metrolinie unerlässlich, kann aber nur gebaut werden, wenn ein Teil des Gebäudes abgerissen bzw. abgetragen und später wieder aufgebaut wird.

Ende August endet ein Verfahren, das darüber entscheidet, ob der Südpalast unter Denkmalschutz gestellt wird. Wenn es bis dahin keine politische Entscheidung gibt, wird der geplante Abriss des Brüsseler Südpalastes einfach fortgesetzt. Und wenn das passiert, werden einige kostengünstigere Szenarien unmöglich, wie der Stopp des Projekts oder die Verzögerung des Tunnelbaus. Am 17. Juli findet die letzte Ministerratssitzung vor der Sommerpause statt. Im Idealfall wird dann eine Entscheidung getroffen werden.

Metro-Baustelle am Südpalast - Muss das Gebäude abgetragen werden?

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