Der Countdown für die Vergabe des Standorts für das Einstein-Teleskop läuft. Ein Projekt der Europäischen Union, für das zwei Standorte im Wettbewerb stehen: Die grenzüberschreitende Region zwischen Wallonien, den Niederlanden und Deutschland (die sogenannte Euregio Maas-Rhein, EMR) und Sardinien in Italien. Auf belgischer Ebene schaltet sich jetzt auch die wallonische Region in das Projekt ein und setzt eine Task Force darauf an, wie unsere frankophonen Kollegen der RTBF melden.
Die Wallonie stellt Mittel bereit, um das Einstein-Teleskop in die Euregio Maas-Rhein zu holen
Das Einstein-Teleskop ist eine unterirdische Struktur mit drei dreieckigen Basen, die durch einen 10 km langen Tunnel miteinander verbunden sind. Ziel ist, das weltweit größte Observatorium für den Nachweis von Gravitationswellen zu schaffen. Es soll dazu beitragen, die Entstehung von Schwarzen Löchern und die Ursprünge des Universums besser zu verstehen.
Um alle Möglichkeiten auf ihrer Seite zu haben und vielleicht eines Tages dieses Teleskop in Aubel und Plombières (Prov. Lüttich) in der EMR stehen zu sehen, hat die wallonische Regierung jetzt beschlossen, eine dahingehende wissenschaftliche, logistische und wirtschaftliche Task Force zu gründen. Dieses Projekt wird zwar große Vorteile für die Wallonie mit sich bringen, aber auch Investitionen erfordern. Diese finanziellen Aspekte sowie das notwendige wissenschaftliche Lobbying bei den europäischen Institutionen gehören ebenfalls zu den Aufgaben dieser Task Force.
Um dieses Projekt erfolgreich durchzuführen, verstärkt die wallonische Regierung ihre Unterstützung für die GRE (Groupement de redéploiement économique de la province de Liège).
"Das Einstein-Teleskop-Projekt ist ein hervorragendes Beispiel für die wallonische Strategie der intelligenten Spezialisierung und der wissenschaftlichen Exzellenz. Es stellt ein mobilisierendes Projekt dar, das ermöglichen wird, neue Partnerschaften zu knüpfen und die technologische Zukunft unserer Region zu gestalten. Die wallonische Regierung bekräftigt damit ihr volles Engagement für dieses außergewöhnliche Projekt", erklärten Ministerpräsident Adrien Dolimont und Wirtschaftsminister Pierre-Yves Jeholet (beide MR).
Die Entscheidung, wo das Einstein-Teleskop letztendlich errichtet wird, fällt 2026 und bis 2035 soll die hochsensible Anlage operativ sein. Flandern bzw. die Provinz Limburg stehen schon lange hinter dem Projekt und haben bereits Mittel in Höhe von mehreren Millionen Euro dazu bereitgestellt.
Bohrungen in der Provinz Lüttich
In Julémont in der Gemeinde Herve werden ab dem 14. Juli Probebohrungen im Zusammenhang mit dem Einstein-Teleskop durchgeführt. Es soll herausgefunden werden, wie empfindlich Bodenschichten auf Erschütterungen reagieren, die beispielsweise durch den Straßenverkehr und durch die Industrie verursacht werden. Gebohrt wird bis zu 350 Meter tief, die unsere Kollegen von deutschsprachigen Rundfunk BRF in Ostbelgien melden.
Für die Funktionsweise des Einstein-Teleskops sind möglichst geringe Erschütterungen vonnöten. In Julémont werden die Vorbereitungen, die Bohrungen und die Aufräumarbeiten zehn bis 14 Tage dauern. Derzeit wird auch in Beusdael in der Gemeinde Bleyberg gebohrt. Insgesamt sind fünf Bohrungen vorgesehen. An welchen Orten diese nach Julémont und Beusdael durchgeführt werden, ist noch nicht bekannt.

