In der vergangenen Woche hat das Parlament in Belgien beschlossen, definitiv wieder auf Atomkraft zu setzen und aus dem Jahr 2003 auszusteigen. Im deutsch-belgischen Grenzgebiet in NRW sind die Gefühle angesichts dieser Nachricht eher gemischt, wie die Kolleginnen und Kollegen von WDR in Aachen meldeten. Die Aacher Zeitung fragte Politiker und Politikerinnen aus der Grenzregion und der NRW-Landesregierung, was diese von dem Schritt Belgiens überhaupt halten.
Belgien und die Rückkehr zur Kernenergie: Gemischte Gefühle in Nordrhein-Westfahlen
Vor allem die Möglichkeit, dass veraltete Atommeilern im relativ nahen AKW von Tihange bei Huy und Lüttich (Foto oben) noch längere Laufzeitverlängerungen gewährt werden könnten, stößt laut WDR auf Bedenken, nicht nur bei den grenznah lebenden Deutschen.
Laufzeitverlängerungen für die Meiler Doel 4 im gleichnamigen AKW bei Antwerpen und Tihange 3 bis 2035 sind bereits beschlossen, doch in Belgien denken einige Verantwortliche angesichts der Sicherung der Energieversorgung auch daran, diese noch länger am Netz zu belassen, weil Kernkraftwerke neuerer Generationen noch entwickelt und genehmigt werden müssen.
Im Grenzgebiet, genauer in der Euregio Maas-Rhein sind die belgischen Kernkraftwerke wegen ihrer langen Betriebszeit und ihrer häufigen Abschaltungen aufgrund von technischen Problemen sehr umstritten, z.B. bei der Stadt Aachen, aber auch im Land NRW. Der dortige Umweltminister Oliver Krischer (Bündnis 90/Die Grünen) glaubt allerdings nicht daran, dass Belgien nach 2035 noch mit den letzten Meilern der alten AKW arbeiten wird, wie er gegenüber der Lokalzeit Aachen beim WDR sagte.
Es ist nicht zuletzt auch so, dass die belgische Regierung Probleme damit hat, einen Betreiber für die alten bzw. für neue Kernkraftwerke zu finden. Der bisherige Betreiber der belgischen AKW, der französische Mischkonzern Engie, will aus der Atomenergie aussteigen und ist an einer weiteren Betreibung von Tihange und Doel nicht interessiert.
Politiker aus NRW fordern Belgien dazu auf, höchste Sicherheitsstandards einzuhalten
Laut einer Umfrage der Kolleginnen und Kollegen der Aachener Zeitung bewerten Politiker in Nordrhein-Westfahlen den Wiedereinstieg Belgiens in die Kernenergie bzw. die Möglichkeit einer Laufzeitverlängerung der jüngsten Meiler in den AKW Tihange und Doel über 2035 hinaus als besorgniserregend.
Dies ist der Fall bei der Stadt und der Städteregion Aachen, sowie bei der NRW-Landesregierung und auch bei weiteren Politikern, z.B. bei Bundespolitikern aus der Grenzregion. Man werde die Einhaltung von Sicherheitsstandards nachdrücklich einfordern, so NRW-Umweltminister Oliver Krischer (Grüne).

