Beim Secondhandladen Kringwinkel in Antwerpen wurde eine ganz besondere Keramikschale abgegeben – signiert von niemand Geringerem als Pablo Picasso. Inzwischen wurde sie über die Auktionsplattform der Organisation für 12.600 Euro versteigert. Es ist nicht das erste Mal, dass Kringwinkel Antwerpen auf ein wertvolles Kunstwerk stößt: Zuvor war dort bereits eine Radierung des belgischen Malers James Ensor entdeckt worden, die später dem Königlichen Museum der Schönen Künste Antwerpen (KMSKA) geschenkt wurde.
Secondhandladen Kringwinkel in Antwerpen entdeckt Picasso-Schale unter abgegebenem Hausrat
Die Schale war gemeinsam mit anderem Hausrat in der Filiale abgegeben worden – sie hätte also genauso gut unbemerkt im Laden oder gar im Restmüll landen können. Doch ein aufmerksamer Mitarbeiter entdeckte auf der Rückseite der Schale einen Stempel mit der Aufschrift „Empreinte originale de Picasso“.
„Sehr gute Arbeit“, lobt Davy Van Bastelaere, Teamleiter der Auktionsabteilung. „Dafür braucht man Fachwissen und Ausbildung.“ Kringwinkel Antwerpen investiert deshalb gezielt in die Schulung seiner Mitarbeitenden. „Wir bieten verschiedenste Fortbildungen an“, erklärt Lander Janssens, Direktor für Vertrieb und Marketing. „Unter anderem Sprachkurse in Niederländisch, aber eben auch spezielle Schulungen, um hochwertige Objekte in der großen Masse an abgegebenen Waren erkennen zu können.“
Alle eingehenden Gegenstände werden deshalb sorgfältig geprüft. „Wir nehmen jedes Objekt in die Hand, um zu sehen, ob es in Ordnung und verkäuflich ist. Dabei entdecken wir gelegentlich Dinge, die einen besonderen Wert haben oder sogar einzigartig sind. Unser Personal ist darauf trainiert.“
Die Schale befindet sich in sehr gutem Zustand. Sie besteht aus weißer Keramik mit einem braun-grünen Dekor in Engobe (Ton oder Tonpulver, Anm. d. Red.), Emaille und oxidiertem Paraffin. Auf der Rückseite befinden sich zwei Stempel: „Madoura Plein Feu“ und eben „Empreinte originale de Picasso“.
„Natürlich überprüfen wir das dann gründlich, ein Stempel allein ist kein Beweis“, sagt Janssens. „Aber in diesem Fall stellte sich heraus, dass es echt ist. Es handelt sich um ein Reliefmotiv mit einer Stierkampfszene, entworfen im Jahr 1953. Von diesem Modell wurden wohl 200 Stück hergestellt.“
Es ist nicht das erste Mal, dass Kringwinkel Antwerpen auf ein wertvolles Kunstwerk stößt. Letztes Jahr wurde dort bereits eine Radierung des belgischen Malers James Ensor entdeckt, die später dem Königlichen Museum der Schönen Künste Antwerpen (KMSKA) geschenkt wurde.
Auktion
Besondere Funde wie dieser landen nicht im regulären Verkauf, sondern auf der Auktionsplattform der Organisation: uwkringding.be. Dort können Sammler*innen und Interessierte unter anderem Brocante, Vintage-Waren, Elektrogeräte oder vollständige Comicreihen ersteigern, die nicht mehr im Handel erhältlich sind.
Der Käufer der Schale heißt Johan – er zahlte 12.600 Euro und ist stolz auf seinen Erwerb. „Ich achte auf Details und denke anders – das ist mein Vorteil, weil ich Autismus habe“, erzählt er. Für ihn war der Kauf nicht nur eine Investition in Kunst, sondern auch eine bewusste Unterstützung der sozialen Ökonomie. „Ich stehe voll und ganz hinter Kringwinkel Antwerpen als Organisation. Ich weiß, was es bedeutet, als Mensch zu wachsen, wenn man die Chance dazu bekommt – und genau das ermöglicht Kringwinkel“, sagt Johan. „Ich werde künftig sicher noch öfter auf uwkringding.be mitbieten, um ihre Arbeit zu unterstützen.“
Den Erlös investiert Kringwinkel Antwerpen daher in soziale Beschäftigung, Aus- und Weiterbildung, persönliche Begleitung sowie in maßgeschneiderte Arbeitsplätze.
Johan wird seinen besonderen Kauf zunächst zu Hause bewundern. Danach will er die Schale einer Wohltätigkeitsorganisation für Jugendliche mit Autismus schenken.

