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Ein historischer Eisenbahnwaggon der NMBS/SNCB

Die belgische Bahn entschuldigt sich offiziell für ihre Rolle bei den Deportationen während des Zweiten Weltkriegs

Die belgische Eisenbahngesellschaft NMBS/SNCB wird sich offiziell für ihre Rolle bei der Organisation von Deportationszügen während des Zweiten Weltkriegs entschuldigen. Die Bahngesellschaft beschloss dies auf Empfehlung der so genannten „Gruppe der Weisen“. Außerdem wird eine temporäre Ausstellung über die Kriegsvergangenheit der belgischen Eisenbahnen konzipiert.

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Der Zweite Weltkrieg ist eine der schwärzesten Seiten in der Geschichte der NMBS/SNCB. Ab dem 4. August 1942 führte die Bahngesellschaft 28 Transporte zwischen dem belgischen Sammellager in der Kaserne Dossin in Mechelen (Prov. Antwerpen) und dem Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz durch. Auf diese Weise wurden 189.542 belgische Zwangsarbeiter, 16.081 politische Gefangene, 25.490 Juden und 353 Roma deportiert. Von den Juden und Roma kehrten nach der Befreiung 1945 nur 1.195 lebend zurück.

Eine Studie aus dem Jahr 2023 - durchgeführt vom Studienzentrum CegeSoma im Auftrag der belgischen Regierung - ergab, dass die NMBS seinerzeit fast 51 Millionen belgische Francs (umgerechnet und unter Berücksichtigung der Inflation heute knapp 15 Mio. €) von den deutschen Besatzern für die Deportationszüge erhalten hatte. Die Studie zeigt jedoch auch, dass die damalige Bahndirektion Fehler gemacht hat und sich der Konsequenzen einer Zusammenarbeit mit dem NS-Regime nicht bewusst war. Die Studie räumt ein, dass die Besatzungsmächte niemals einen Widerstand der NMBS akzeptiert hätten, argumentiert aber, dass die Direktion die Deportationen zumindest hätte verzögern können.

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter)

Sammelstelle für Deportationen: Kaserne Dossin in Mechelen - Heute befinden sich dort ein Museum und eine Gedenkstätte

Entschuldigungen

Die belgische Bundesregierung setzte eine „Gruppe von Weisen“ ein, die Empfehlungen zur Bewältigung unserer Vergangenheit abgeben sollte. Bis Ende Januar hatte dieses Gremium, das aus 12 Mitgliedern mit unterschiedlichen Profilen besteht, 30 Empfehlungen ausgearbeitet. Unter anderem wird empfohlen, dass sich die belgische Bahn entschuldigen muss, um den Opfern Anerkennung zu verschaffen. Im Jahr 2012 hatte der damalige Bahnchef Jannie Haeck bereits die Rolle der NMBS bei den Deportationen eingeräumt, doch eine offizielle Entschuldigung blieb aus. Das wird jetzt nachgeholt, kündigte die belgische Eisenbahngesellschaft an.

„Am 24. Januar hat der Verwaltungsrat dem Grundsatz zugestimmt, sich im Namen der NMBS/SNCB für die Rolle zu entschuldigen, die die damalige belgische Eisenbahn bei der Durchführung von Transporten während des Zweiten Weltkriegs gespielt hat“, heißt es in einer Mitteilung: „Angesichts der kollektiven historischen Verantwortung hat der Verwaltungsrat beschlossen, die vorherige Genehmigung des belgischen Staates einzuholen und Infrabel und HR Rail - ebenfalls Erben des damaligen Eisenbahnbetriebs - vorzuschlagen, sich dieser Entschuldigung anzuschließen.

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter)

Heute erinnert ein alter Güterwaggon an der Kaserne Dossin symbolisch an die Deportationen

Die besetzte Bahn - Zwischen Zusammenarbeit und Widerstand

Im Rahmen einer weiteren Empfehlung der „Gruppe der Weisen“ übernimmt die belgische Bahn die Organisation von Bildungsprojekten und Gedenkveranstaltungen. Dazu gehört eine temporäre Ausstellung im Eisenbahnmuseum Train World über die Kriegsvergangenheit der Bahngesellschaft mit dem Titel: „Die besetzte Bahn - Zwischen Kollaboration und Widerstand“. Dazu gehören auch Zeugenaussagen von Überlebenden und historische Vorträge. Die Ausstellung wird von September 2025 bis Juni 2026 zu sehen sein.

Darüber hinaus wird die NMBS/SNCB Bildungspakete für Grund- und Sekundarschulen entwickeln, die sich mit dem Thema Verantwortung befassen, und mit Unterstützung der Holocaust-Gedenkstätte Dossin-Kaserne und des Instituts für das Kriegserbe (War Heritage Institute) werden Bildungsworkshops sowohl in Schulen als auch im Eisenbahnmuseum Train World organisiert. Nicht zuletzt wird eine Website eingerichtet, die alle verfügbaren Ressourcen (Archive, Dokumentationen, historische Sammlungen) über die NMBS/SNCB während des Zweiten Weltkriegs zusammenfasst. Diese Website wird im September 2025 online gehen.

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