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Nur ein stilles Gedenken an die Befreiung des Deportationszuges in Boortmeerbeek im April 1943

Durch den Konflikt im Nahen Osten zwischen Israel und der islamistischen Terrorbewegung Hamas fand das jährliche Gedenken an den gestoppten Deportationszug, der 20. KZ-Zug der Nazis aus Belgien in Richtung Vernichtungslager Auschwitz, nur in eingeschränkter Form statt. 

Andreas Kockartz
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Jedes Jahr wird diesem Ereignis in Boortmeerbeek in Flämisch-Brabant gedacht und normalerweise kommen dann auch Familien und Nachkommen der aus dem Zug befreiten Juden zu dieser Veranstaltung.

Doch vor dem Hintergrund des aktuellen Nahostkonflikts zwischen Israel und Palästina erachtete es die belgische Staatssicherheit als Problematisch, hier eine Gruppe jüdischer Menschen hier zusammenkommen zu lassen. Laut dem Koordinationsorgan für die Analyse von Bedrohungsszenarien, OCAD, ist das Bedrohungsniveau durch diesen Konflikt noch stets zu hoch. Auch im vergangenen Jahr fand dieses Gedenken nur in einer kleineren Form statt. 

An der Gedenkveranstaltung nahmen deshalb dieses Jahr nur Veteranen aus dem Widerstand gegen die Deutschen bzw. Mitglieder von solchen Verbänden und Vertreter der umliegenden Gemeinden an der Veranstaltung teil. 

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter)

Der geschichtliche Hintergrund

Vor 83 Jahren fand die einzige erfolgreiche Befreiung von Insassen eines Deportationszuges in Europa statt. Am 19. April 1943 stoppten die drei Brüsseler Youra Livchits, Jean Franklemon und Robert Maistriau zwischen Boortmeerbeek und Haacht in der Provinz Flämisch-Brabant einen KZ-Zug mit 1.631 Deportierten an Bord. Dabei konnten 236 Juden entkommen. 121 von ihnen überlebten den Holocaust und die Vernichtungslager der Nazis. 

Der Zug hatte am 19. April 1943 gegen 22 Uhr das Sammellager in der Kaserne Dossin in Mechelen verlassen. Die drei befreundeten Widerstandskämpfer installierte am Gleis ein rotes Signal, an dem der Zug anhielt. Mit nur einem Revolver und drei Zangen ausgerüstet konnte das Trio 236 Menschen aus den Zug entkommen lassen. Diese Befreiung aus dem als "20. Zug" bekannten Deportationszuges ging vor allem in Belgien selbst in die Geschichte ein.

Simon Gronowski, der damals aus diesem Zug fliehen konnte, erzählte viele Jahre später eindrucksvoll seine Geschichte, worauf Koen Aerts, ein der Universität Gent (UGent) und dem Studien- und Dokumentationszentrum für Krieg und zeitgenössische Gesellschaft (Cegesoma) nahestehender Historiker vor einigen Jahren gegenüber VRT NWS hinwies: "Das ist wichtig, angesichts dessen, dass Erinnerungen an den Widerstand von den Historikern lange Zeit zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet wurde, im Vergleich mit Geschichten über Repression und Kollaboration." 

Der Plan der drei Widerstandskämpfer sei so genial wie einfach gewesen und sei auch deshalb nicht zu unterschätzen, so Koen Aerts damals weiter: "Es wurden auch andere Versuche unternommen, um Deportationszüge aufzuhalten, doch dies ist der einzige Versuch in Europa gewesen, der gelingen konnte." Insgesamt konnten in dieser Nacht 236 Juden aus dem "20. Zug" entkommen. 121 von ihnen überlebten den Holocaust. Einige wenige kamen bei dem Fluchtversuch ums Leben und leider wurden 89 von ihnen wieder aufgegriffen und mit einem späteren Deportationszug doch noch in ein KZ gebracht.

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