Drei Bewerber haben sich für den Kauf oder die Übernahme des Produktionsstandorts des Chipherstellers BelGaN in Oudenaarde in Ostflandern gemeldet. Zwei der Bieter kommen aus Asien, einer aus Europa. Jedes der Angebote ist mit einer wirtschaftlichen Aktivität verbunden, die mit der Zeit eine beträchtliche Anzahl von Arbeitsplätzen in Aussicht stellt, glauben die Kuratoren von BelGaN: „Es ist von einem Zeitraum von drei Jahren die Rede, den Personalbestand auf 250 Personen und mehr aufzubauen.“
Drei Bewerber wollen den Produktionsstandort des Chipherstellers BelGaN übernehmen
BelGaN, der letzte industrielle Chiphersteller Belgiens, ging letztes Jahr in Konkurs, nachdem sich die Investitionen in Chips auf Galliumnitrid-Basis nicht schnell genug amortisiert hatten. 440 Menschen verloren ihren Arbeitsplatz und die Vermögenswerte wurden teilweise liquidiert. Mehr als 80 % der Hightech-Geräte sind bereits verkauft worden aber für ein großes Industriegebäude am Westerring 15 in Oudenaarde konnte am vergangenen Mittwoch bis 19 Uhr für geboten werden.
Es handelt sich um ein Gebäude mit einer Fläche von etwa 4 Hektar, das zwei so genannte „Cleanroom“ von 700 Quadratmetern bzw. 3.657 Quadratmetern umfasst, in denen hochsensible Herstellungsprozesse vor unerwünschter Luftverschmutzung abgeschottet werden können. Ein solcher „Cleanroom“ ist zum Beispiel in der Chipherstellung, aber auch in der Medizin von Nutzen. Zu den Kandidaten gehören Unternehmen, die die Chip-Produktion in wieder aufnehmen wollen. Möglicherweise wird aber auch eine andere Tätigkeit aufgenommen.
Geschichte
BelGaN wurde vor etwa 40 Jahren als Mietec von der Bell Telephone Manufacturing Company und der flämischen Landes-Investmentgesellschaft Gimv gegründet und später von Alcatel übernommen. In den 1990er Jahren fusionierte das Unternehmen mit Alcatel Microelectronics, das im Jahr 2000 an das US-amerikanische Unternehmen Onsemi (früher ON Semiconductor) verkauft wurde. Onsemi nutzte das Werk in Oudenaarde viele Jahre lang für die Produktion von Siliziumchips, beschloss aber 2022, den Standort zu veräußern. Dies führte zur Übernahme durch BelGaN mit dem Ziel, die Produktion von herkömmlichen Siliziumchips auf Galliumnitrid (GaN)-Chips umzustellen.
Diese Technologie war für ihr Potenzial für energieeffiziente Anwendungen, wie z. B. elektrische Ladegeräte und Fahrzeuge, bekannt. Die flämische Landesregierung unterstützte diese Umstellung mit Subventionen und Investitionen in Millionenhöhe, unter anderem über die Flämische Agentur für Innovation und Unternehmertum (VLAIO). Außerdem wurde mit Forschungsinstituten wie imec (KUL) zusammengearbeitet, um den technologischen Vorsprung der Anlage zu sichern.
Trotz seiner vielversprechenden Technologie stand BelGaN vor ernsthaften finanziellen Problemen. Der Übergang zu GaN-Chips erforderte erhebliche Investitionen, die sich nicht schnell genug auszahlten, was zu einem Umsatzrückgang von rund 120 Mio. € im Jahr 2021 und von 75 Mio. € im Jahr 2022 führte. Zwar erholte sich das Unternehmen wieder und kam im Jahr 2023 wieder auf über 81 Mio. € Umsatz, doch reichte dies nicht aus, um die laufenden Rechnungen zu bezahlen, was schließlich im Juli 2024 zum Konkurs führte.
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Europa
Der Konkurs von BelGaN warf kritische Fragen zur Politik und zu strategischen Entscheidungen im belgischen und europäischen Technologiesektor auf. Die Übernahme des Werks durch chinesische Investoren im Jahr 2021 weckte Bedenken hinsichtlich des ausländischen Einflusses in einem von der Europäischen Union als strategisch angesehenen Sektor.
Der Konkurs warf auch einen Schatten auf die Herausforderungen europäischer politischer Initiativen, wie z. B. den 2023 verabschiedeten Mikrochip-Plan der EU, der mit einer Förderung in Höhe von 43 Mia. € darauf abzielt, den Anteil Europas am globalen Chipmarkt bis 2030 zu vervierfachen.

