Wegen eines großen Gewerkschaftsprotests gegen die Sparpläne der frisch vereidigten Föderalregierung De Wever wird es in Brüssel und weiten Teilen des Landes zu erheblichen Beeinträchtigungen kommen. Nur die Hälfte der Busse und Straßenbahnen von De Lijn fährt, auch die Dienstleistung des französischsprachigen Verkehrsunternehmens TEC ist schwer gestört. An den Flughäfen von Brüssel und Charleroi wird am Donnerstag so gut wie gar nichts gehen.
Großer Streik- und Aktionstag gegen die Pläne von Föderalregierung De Wever: Auswirkungen im ganzen Land
Wo gibt es Beeinträchtigungen?
Wegen des Gewerkschaftsprotests fährt am Donnerstag im Durchschnitt nur 51 Prozent der Busse und Straßenbahnen des flämischen Verkehrsunternehmens De Lijn in Flandern. De Lijn empfiehlt, die Website oder die App zu konsultieren.
Auch die Dienstleistung des wallonischen Pendants TEC ist am Donnerstag stark gestört. Alle fünf Zonen des Netzwerks sind betroffen. In der Region Lüttich-Verviers wurden 30 Linien gestrichen, 101 Linien sind beeinträchtigt und 73 Linien fahren regulär, wie Isabelle Tasset, Sprecherin von TEC Liège-Verviers, am Donnerstagmorgen mitteilte.
Bei der Brüsseler Verkehrsgesellschaft MIVB fuhren am frühen Morgen die U-Bahn-Linien 1 und 5. Die U-Bahn-Station Park bleibt bis 14 Uhr vollständig geschlossen, an der Station Kunst-Wet sind bestimmte Eingänge gesperrt. Das berichtet die MIVB am Donnerstagmorgen auf X. Bei den Straßenbahnen fahren die Linien 4, 7, 8, 9, 10, 51 und 92, bei den Bussen sind es die Linien 12, 36, 46, 50, 53, 59, 65, 71, 73, 87 (verlängert bis Zwarte Vijvers) und 95.
Die größten Beeinträchtigungen wird es jedoch im Luftverkehr geben. Die Gewerkschaften der Fluglotsen bei Skeyes unterstützen die Aktion, sodass von 6:45 bis 22:15 Uhr an den Flughäfen Zaventem, Antwerpen, Ostende, Charleroi und Lüttich keine Flüge starten oder landen können.
Bei der Eisenbahngesellschaft NMBS/SNCB werden im Gegensatz zum 13. Januar, dem vorigen Aktionstag, keine Probleme erwartet. Die Bahngesellschaft wird zusätzliche Züge einsetzen, um alle Demonstranten nach Brüssel zu transportieren.
Im Bildungswesen wird im Vergleich zur Rentenaktion im vergangenen Monat mit weniger bzw. kaum Streiks gerechnet. Damals streikten 34.314 Lehrer – etwa ein Drittel der Grundschulen hatte damals geschlossen. Die Schulverbände gehen diesmal von kreativen und sichtbaren Aktionen aus.
In den Gefängnissen wird es jedoch große Beeinträchtigungen geben. Wärter werden massenhaft die Arbeit niederlegen und an der Demonstration teilnehmen. Das Gefängniswesen bestätigte, dass in vielen Gefängnissen die Mindestbesetzung nicht erreicht werden kann.
Auch die Postgesellschaft Bpost erwartet Beeinträchtigungen aufgrund der Aktion. Zudem gab es in der Wallonie bereits Ende letzter Woche soziale Unruhen in den Verteilzentren wegen einer geplanten Reorganisation der lokalen Postrouten. Die Aktion hat sich ausgeweitet und mittlerweile sind die Sortierzentren in Lüttich, Charleroi und Brüssel blockiert.
Schließlich wird auch bei lokalen Behörden mit Beeinträchtigungen gerechnet. So warnte die Stadt Antwerpen besonders vor Störungen bei der Müllabfuhr und in geringerem Maße bei den Kindergärten. Im Brüsseler Stadtgebiet erwartet Net Brussel Beeinträchtigungen bei der Müllabfuhr.
Warum wird protestiert?
Die drei Gewerkschaften erwarteten eine große Teilnahme an der nationalen Demonstration am Donnerstag in Brüssel. Sie gingen von mehr als 50.000 Teilnehmern aus oder sogar „doppelt so vielen“ wie bei der Aktion im Januar, als 30.000 Gewerkschafter durch die Hauptstadt zogen. Die Brüsseler Polizei bestätigte am Donnerstagmittag auf der Plattform X, dass 60.000 Demonstraten gekommen sind.
Der Gewerkschaftsprotest wird auch nicht schnell nachlassen: ACV und ABVV haben bereits einen weiteren Generalstreik für den 31. März angekündigt.
Zielscheibe des Protests ist die Regierung De Wever. Als diese noch in den Formierungsphase war, gab es bereits am 13. Januar einen Aktionstag gegen die Rentenpläne der Arizona-Regierung. Jetzt, da das Regierungsabkommen bekannt ist, richtet sich der Protest auf die breite Palette der angekündigten Maßnahmen. Dazu gehören unter anderem eine strengere Kontrolle von Arbeitslosen, der Wegfall des Wohlstandspakets, Rentenänderungen, die insbesondere das öffentliche Personal stark belasten, mehr Flexibilität für Arbeitnehmer oder Einsparungen im öffentlichen Dienst.

