Mehrere flämisch-limburgische, deutsche und niederländische Unternehmen und Universitäten stellen gemeinsam 2,8 Mio. € zur Verfügung, um einen Schweißroboter zu entwickeln, der die Rohre für das Einstein-Teleskop herstellen kann. Die Hälfte der Mittel kommt von der EU und auch die Provinz Limburg steuert fast 150.000 € bei, wie die flämische Tageszeitung Het Belang Van Limburg vor einigen Tagen meldete.
1,4 Mio. € für die Entwicklung eines Schweißroboters für das Einstein-Teleskop
Werkhuizen Hengelhoef und der Edelstahlhersteller Aperam, beides Unternehmen aus Genk in Limburg, entwickeln zusammen mit der Universität (UHasselt) und einigen weiteren internationalen Partnern eine revolutionäre Technik zur kontinuierlichen Herstellung und Montage von Stahlrohren unter Tage. Das Projekt trägt den Namen BeamPipes4ET (wörtlich: Strahlrohre für das Einstein-Teleskop). Im Mittelpunkt dieser Technik steht ein von Werkhuizen Hengelhoef entwickelter mobiler Roboter, der aus Stahlblechrollen Rohre herstellen und diese zusammenfügen kann und dies auch und gerade unter der Erde. Das Herzstück des gesamten Projekts befindet sich in der flämischen Provinz Limburg.
„Die Techniken, mit denen wir diese Vakuumröhren unter der Erde herstellen werden, sind nicht neu oder hyperkomplex, aber insbesondere der Maßstab, in dem wir sie einsetzen, ist ungewöhnlich“, deutete Ingenieur Jef Hoste, Business Developer bei Werkhuizen Hengelhoef, gegenüber Het Belang Van Limburg an.
Mehr Details will und kann er nicht verraten, denn das fällt unter das Betriebsgeheimnis. „Es ist eigentlich ganz einfach und gerade deshalb so genial. Dieses Projekt ist an sich schon lohnenswert, auch wenn das Einstein-Teleskop letztlich nicht in unsere Euregio kommen wird. Aber es sorgt für den Vorsprung, den man braucht, um das Teleskop bauen zu können.“
Stahl aus Genk
Der rostfreie Stahl, aus dem die Rohre hergestellt werden, kommt von Aperam in Genk. „Das ist zumindest unser Ziel“, sagte Betriebsleiter Jimmy De Wilde von Aperam Genk in Het Belang Van Limburg. De Wilde ist auch Mitglied des flämischen Lenkungsausschusses rund um das Einstein-Teleskop: „Wir beraten auch über die Möglichkeiten der verschiedenen Stahlsorten. Unser Stahl wird aus recyceltem Material hergestellt. Das bedeutet, dass jeder Limburger einen Beitrag zu diesem Projekt geleistet hat, indem er Inox in den Containerpark gebracht hat. Auf diese Weise wird das Einstein-Teleskop ein Stück weit zu einem Projekt aller Limburger.“
Drei Forschungsgruppen der UHasselt befassen sich ebenfalls mit dem Projekt BeamPipes4ET. „Sie werden das 120 km lange System von Rohren mit einem Durchmesser von 1 Meter physisch, mechanisch und mikroskopisch testen und prüfen, wobei sie sich auf die Perfektion der Schweißnähte konzentrieren“, so Ronald Thoelen, Dekan der Fakultät für Wirtschaftsingenieurwesen der UHasselt.
Europäische Partnerschaften und Unterstützung
Aber auch andere Partner sind an dem BeamPipes4ET-Projekt beteiligt. Das deutsche Unternehmen FEF entwickelt die Laserschweißanlage, die wiederum von der UHasselt getestet wird. Auch das niederländische Unternehmen SBE, ein Spezialist für Rohrleitungen, ist beteiligt, ebenso wie die Antwerpener Uni (UAntwerpen) und die RWTH Aachen. So entwickelt sich BeamPipes4ET zu einem überregionalen Projekt.
Dem Limburger Provinz-Deputierten für Wirtschaft, Tom Vandeput (CD&V), ist es gelungen, 1,4 Mio. € aus dem EU-Fonds Interreg zur Co-Finanzierung des Projekts zu erhalten. Die Provinz Limburg selbst trägt mit 145.800 € zur Unterstützung bei. Für das gesamte Projekt ist ein Budget von 2,8 Mio. € vorgesehen. „BeamPipes4ET ist also mehr als ein technisches Projekt“, so Vandeput in Het Belang Van Limburg: „Es ist ein Beispiel dafür, wie Kooperation und internationaler Ehrgeiz Limburg als Vorreiter für industrielle Innovation in Erscheinung treten lassen

