Der belgische Hochspannungsnetzbetreiber Elia verschiebt eine wichtige Entscheidung über den Bau einer Energieinsel in der Nordsee. Eigentlich sollte der Elia-Verwaltungsrat in diesen Tagen über die Vergabe bestimmter Aufträge entscheiden, doch aufgrund von Kontroversen über deren deutlich gestiegene Kosten wird diese Entscheidung vorerst nicht getroffen. Man wolle eine entsprechende Studie abwarten, hieß es dazu.
Netzbetreiber Elia: Entscheidung zu Aufträgen für den Bau der künstlichen Energieinsel in der Nordsee verschoben
Die „Prinzessin Elisabeth“-Energieinsel soll dazu dienen, den Strom aus neuen Offshore-Windparks im belgischen Teil der Nordsee und auch Windenergie aus Großbritannien zu bündeln und an Land zu bringen. Die Kosten sind von ursprünglich 2,2 Mia. € noch vor einigen Jahren auf jetzt 7 Mia. € angestiegen. Die belgische Energie-Regulierungsbehörde Creg arbeitet an einer Studie zur Frage des Nutzens dieser Energieinsel und zu den vertretbaren Kosten für den Bau einer solchen Anlage.
Frédéric Dunon, der CEO von Elia Transmission Belgium, hatte vor den Abgeordneten im parlamentarischen Energieausschusses vor kurzem noch erklärt, dass dieser „deutliche Kostenanstieg“ zum einen auf die Inflation der Rohstoffpreise und Löhne, zum anderen aber auch auf „Markteffekte“ zurückzuführen sei. Letzterer Punkt, der eine „Knappheit auf dem Markt für Ausrüster“ betrifft, betrifft vor allem den Gleichstromteil des Projekts der Energieinsel.
Der Vertrag für diese Komponente sollte am Donnerstag vom Verwaltungsrat diskutiert werden. Die Vergabe als solche steht offenbar nicht zur Debatte. „Im Rahmen des Vergabeverfahrens verhandeln wir derzeit mit den Lieferanten über die Frist für den Abschluss dieser Verträge“, sagt eine Elia-Sprecherin: „Ziel ist, Zeit zu haben, den Creg-Bericht zur Kenntnis zu nehmen und ihn in Ruhe mit den Behörden zu besprechen, bevor wir eine Wahl treffen. Wir hoffen, einige Wochen oder Monate zu gewinnen, bevor wir eine Entscheidung treffen müssen.“
Creg schätzt, dass die Energieinsel 30 Jahre lang jährlich 20 bis 22 € pro belgischem Haushalt kosten wird. Für die Industrie dürften die Kosten höher sein.

