Der Berufsverband für vereidigte Übersetzer und Dolmetscher (BBVT) warnt vor weiteren Aktionen nach dem spontanen Dolmetscherstreik beim sogenannten Sky-ECC-Drogenprozess am Dienstag. Die Dolmetscher beklagen, dass einige von ihnen seit Monaten nicht für ihre Arbeit bezahlt werden. Sie befürchten, dass sie erst im Januar 2025 ihre Vergütungen erhalten werden.
Zahlungsverzug bei der Justiz: Dolmetscher drohen mit weiteren Protestaktionen
Durch die spontane Aktion der Dolmetscher verzögerte sich der Prozess am Dienstag um 45 Minuten. Am Morgen hatten die Dolmetscher ein Schreiben vom belgischen Justizministerium erhalten, das zusätzliche Verzögerungen bei den Auszahlungen in den kommenden Wochen ankündigte.„Es wurde den Kollegen einfach zu viel“, erklärt Henri Boghe, Sprecher des Berufsverbands. „Einige sind seit zwei bis drei Monaten nicht bezahlt worden. Wir arbeiten als Selbstständige und müssen natürlich auch unsere Rechnungen begleichen.“
„Wir hoffen auf ein Gespräch mit Justizminister Paul Van Tigchelt. Sollte es nicht dazu kommen oder sollte es keine positiven Ergebnisse geben, planen wir ab Mitte November organisierte Aktionen“, so Boghe weiter. In der Zwischenzeit schließt er spontane Arbeitsniederlegungen, wie beim Sky-ECC-Prozess, nicht aus.
Der Berufsverband betont die wichtige Rolle der Dolmetscher für eine gerechte Rechtsprechung: Ohne sie können nicht-muttersprachliche Angeklagte nicht vernommen werden, und die Gefahr besteht, dass Beschuldigte freigesprochen werden, weil sie das Verfahren nicht verstehen.
Zahlungsverzögerungen der Dolmetscher beim Justizministerium gibt es bereits seit geraumer Zeit. Minister Van Tigchelt (Open VLD) kündigte vergangene Woche an, dass durch die Umverteilung von Mitteln das Defizit von 23 Millionen Euro für 2024 gedeckt werden könne. „Wir befürchten, dass das Geld erst während der Weihnachtsferien verfügbar ist, aber die Behörden haben dann geschlossen. In diesem Fall würden die Zahlungen erst im Januar 2025 wieder aufgenommen“, erläutert Boghe. „Das Vergütungsbüro der Justiz wurde umstrukturiert und kämpft mit Personalmangel.“

