Zum Hauptinhalt springen
Inland
Wirtschaft

Umstrukturierung bei Busbauer Van Hool: 1.100 Jobs fallen in den kommenden 4 Jahren weg

Beim Bushersteller Van Hool in Koningshooikt bei Lier in der Provinz Antwerpen werden in den kommenden 4 Jahren rund 1.100 Arbeitsplätze gestrichen. Dies wurde am Montagmorgen in einer außergewöhnlichen Betriebsratsversammlung bekannt. Alleine 800 Jobs sollen bereits im laufenden Jahr abgebaut werden. Doch angesichts der angespannten Finanzlage droht bis Ende März sogar ein Konkurs, falls nicht zwischenzeitlich ein Investor gefunden werden kann. 

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:
Aktualisiertupdate:

Bei Van Hool arbeiten am Standort Koningshooikt derzeit noch rund 2.500 Personalmitglieder. Das Unternehmen befindet sich seit einigen Jahren in finanziellen Schwierigkeiten. Diese begannen bereits während der Coronakrise, als der Reisebussektor lange Zeit keine neuen Fahrzeuge mehr bestellte. 

Noch 2019 verfügte das Familienunternehmen über eine finanzielle Reserve über 133 Mio. €, doch diese ist heute auf nur noch 6 Mio. € zusammengeschrumpft. Missmanagement und Erbschaftsstreitigkeiten zwischen den 8 Erben des Unternehmensgründers sorgten ebenso für Probleme, wie auch jahrelange Investitionen in Wasserstoffantrieb, wobei das Thema E-Bus vernachlässigt wurde.

Als die flämische Verkehrsgesellschaft De Lijn 92 elektrische Busse beim chinesischen Produzenten BYD bestellte, wurden die Schwierigkeiten bei Van Hool akut, denn man hatte dort mit dieser Order fest gerechnet. Dies hatte den Umstrukturierungsplan, der am Montag vorgelegt wurde, quasi direkt zur Folge. Dass aber so viele Mitarbeiter ihre Jobs kurz- und mittelfristig verlieren werden, sorgte am Montagmorgen schon für eine Überraschung. 

Wenn die Banken daran glauben, kann die flämische Regierung Van Hool befristet stützen“

Flanderns Wirtschaftsminister Jo Brouns

Bei Van Hool müssen bis Ende März mindestens 45 Mio. € an Kapital gefunden werden, sonst droht ein Konkurs. Die flämische Landesregierung wartet jetzt auf ein Zeichen der Großbanken, so Landeswirtschaftsminister Jo Brouns (CD&V) gegenüber VRT NWS: „Dies ist ein schwarzer Tag für die betroffenen Arbeitnehmer und deren Familien aber auch für die Beschäftigten der Zulieferindustrie und im Allgemeinen auch für die belgische Wirtschaft.“

„Es werden hohe Beträge genannt, wie nötig sind, um eine Pleite abwenden zu können“, so Brouns weiter: „Wir haben ab Tag eins gesagt, dass wir alles tun, um ein Durchstarten innerhalb der vorausgesetzten Bedingungen zu ermöglichen.“ 

Sanierungsplan?

Die Landesregierung ist grundsätzlich über die Flämische Partizipations-Gesellschaft (PMV) Geld auf den Tisch zu legen, doch dies hängt auch von dem Sanierungsplan ab, den Van Hool bzw. deren Krisenmanager vorlegt.

Dieser müsse auch eine weitere lokale Verankerung des Unternehmens beinhalten. Landeswirtschaftsminister Brouns geht davon aus, dass man bis zu 3.000 direkte und indirekte Jobs hier halten können. Das würde bedeuten, dass die Verlagerung von Produktion ins Zweigwerk in Nord-Mazedonien kleiner ausfallen müsste… 

Flanderns Wirtschaftsminister Jo Brouns will Van Hool-Jobs retten

Meistgelesen

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5