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Inland
Wirtschaft

Steht das Ende bevor? Der traditionsreiche flämische Bushersteller Van Hool findet keinen Investor

Beim notleidenden Busbauer Van Hool in Koningshooikt bei Lier in der Provinz Antwerpen droht der Verlust von hunderten Arbeitsplätzen. Dies meldet die flämische Wirtschaftszeitung. Die Meldung wurde inzwischen offiziell bestätigt. Van Hool sucht dringend einen privaten Investor für eine Refinanzierung des Unternehmens. 

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Aktuell ist die Produktion von Bussen (Reisebusse, E-Busse, Buss für den ÖPNV) nicht mehr rentabel, nicht zuletzt durch die scharfe Konkurrenz aus China in Sachen elektrische Busse. Inzwischen ist ein Krisenmanager für Van Hool tätig und dieser empfiehlt die Verlagerung der Produktion ins Zweigwerk nach Nord-Mazedonien. Seiner Ansicht nach ist die Produktion von Bussen in Belgien nicht mehr rentabel.

Das würde bedeuten, dass am Standort Koningshooikt nur noch die Produktion und Montage von Fahrzeugen für die Industrie und das Bauwesen verbleiben würde.

Schlechte finanzielle Situation

Van Hool befindet sich in einer prekären finanziellen Lage und sucht dringend Geld. Bisher hat die Suche nach einem privaten Investor noch nichts gebracht. Inzwischen berät die flämische Landesregierung über mögliche Unterstützungsmaßnahmen, wie z.B. günstige Überbrückungskredite bzw. Garantien für neue Kredite. Bei Van Hool hat man in letzter Zeit sehr auf den Wasserstoffantrieb und damit nach Ansicht von Fachleuten auf das falsche Pferd mit hohen Investitionen gesetzt. 

Flanderns Vize-Ministerpräsident Ben Weyts (N-VA) sagte am Freitagvormittag dazu gegenüber VRT NWS: „Wir müssen das maximal mögliche tun, um das Unternehmen und diese Jobs zu retten. Doch natürlich muss man wissen, dass wir dabei mit Steuergeldern umgehen und das wir dieses angemessen und korrekt investieren.“

Bei Van Hool werden hochmoderne Busse produziert

Arbeitnehmer nicht wirklich überrascht

Man werde nicht in ein Fass ohne Boden investieren, so Weyts, der hofft, dass man einen Plan mit einem echten und valablen Szenario auf den Tisch legt. Am Freitagvormittag hatten sich die Direktion von Van Hool und die Gewerkschaften zu einer außergewöhnlichen Betriebsratsversammlung getroffen, doch dort wurde den Arbeitnehmervertretern kein Einblick in die Sanierungspläne des Unternehmens gewährt.

Die Arbeitnehmer von Van Hool reagieren gelassen auf die Nachrichten, denn sie haben vor einer solchen Situation schon vor längerer Zeit gewarnt und sind deshalb nicht wirklich überrascht. 

Van Hool irgendwann in den 1970er Jahren

Seit 1947 werden hier Busse gebaut

Das Unternehmen Van Hool wurde 1947 in Koningshooikt bei Lier als Familienunternehmen gegründet (was es heute noch ist) und baut seit dem vornehmlich Busse für den Reisesektor und für den Nah- und Fernverkehr.

Aktuell sind hier am Standort 2.500 Mitarbeiter beschäftigt, doch seit der Corona-Pandemie, als der Reisesektor völlig zum erliegen kam, hat sich das Unternehmen nicht mehr erholt und die Auftragsbücher sind nicht mehr gut gefüllt. Ein Drittel des Personals schiebt seit dem Jahreswechsel Kurzarbeit.

600 bis 800 Jobs weg?

Rik Verwaest (N-VA), der Bürgermeister von Lier, befürchtet, dass hunderte Van Hool-Mitarbeiter am Montag zu hören bekommen, dass sie ihren Job verlieren (die Rede ist von 600 bis 800 wegfallenden Stellen): „Das stellt für uns eine seriöse Herausforderung dar.“ Er will gemeinsam mit dem flämischen Arbeitsamt VDAB nach Arbeitsplätzen in der Region schauen.

Unlängst verlor Van Hool einen Auftrag für 92 elektrische Nahverkehrsbusse von der flämischen Verkehrsgesellschaft De Lijn an den chinesischen Produzenten BYD. Gleichzeitig gab es aber auch einen Auftrag über 112 E-Busse für das niederländische Unternehmen Qbuzz (Foto unten).

E-Bus für Qbuzz

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