Bei der Verleihung der MIA’s, das sind die Auszeichnungen, die der belgische Musiksektor selbst vergibt, ist dieses Jahr ein ganz besonderer Kandidat mit dem Sector Lifetime Achievement ausgezeichnet worden. Das sind die ICP Recording Studios in Brüssel. Hier haben zahllose Musikerinnen, Musiker und Bands ihre Platten aufgenommen und rund 300 dieser Platten erhielten in den 45 Jahren, in denen diese Studios existieren, irgendwo auf der Welt Gold- oder Platin-Status. Auch für die flämische Musikwelt ist ICP einer der wichtigsten Stützen.
Sector Lifetime Achievement Award für die Brüsseler ICP Recording Studios
Gegründet hat die ICP Recording Studios der Amerikaner John Hastry, der seit mehr als 50 Jahren in Belgien lebt. Er stellte schon in den 1970er Jahren fest, dass es in Brüssel (und im Rest des Landes) kein Tonstudio gab, in dem Rock- oder Popmusik aufgenommen werden konnte. Hierzulande arbeiteten die Musikproduzenten mit festen Orchestern, die Sängerinnen und Sängern bei ihren Liedern zur Seite standen. Hastings aber hatte einen anderen Background: „Ich kam aus der angelsächsischen Kultur, in der die Bands bereits in Studios experimentierten und dabei einiges hervorbrachten.“
Hastry gründete 1980 die ICP Recording Studios und dieser Name verweist auf „Inter Chemicals and Plastics“. Das war die Firma seines Vaters, die Maschinen herstellte, mit denen Vinylplatten und später auch CDs verpackt werden konnten. Dieses Unternehmen konnte damals u.a. die Plattenfirmen Deutsche Grammophon, EMI und Polygram zu ihren Kunden zählen.
John Hastry konnte damals einen Teil der Werkhallen - die Hallen einer früheren Industriebäckerei an der Emile de Becolaan - seines Vaters im Brüsseler Ortsteil Elsene nutzen, um sein Tonstudio einzurichten. Dort sind die ICP Recording Studios noch heute zu finden. Am Anfang kamen in erster Linie Bands und Musiker aus Belgien hierher, um aufzunehmen.
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Internationaler Durchbruch
Laut den Analen der ICP Studios ist die Single „In’t nieuw“ des flämischen Popduos Miek & Roel das erste Projekt. Doch später wurden hier auch bahnbrechende Belpop-Hits, wie „Je suis venu te dire, que je m’ envais“ von Jo Lemaire + Flouze (im Original von Serge Gainsbourg) oder „There will be no next time“ von The Kids aufgenommen. Auch TC Matic, die große Band von Arno nahm hier auf, wie auch Arno selbst, der in Brüssel wohnend, sehr oft in diesen Tonstudios zugange war.
Die hohe Qualität der ICP Recording Studios sprach sich in der Musikwelt herum und so kamen zahlreiche internationale Bands und Künstler hierher, um ihre Platten aufzunehmen. Darunter The Stranglers, Orchestral Manoeuvres in the Dark, Echo & The Bunnyman und auch The Cure. Letztere Band nahm hier 1987 ihr legendäres Album “Kiss me kiss me kiss me“ mit der Hitsingle „Just like Heaven“ auf.
Nicht zuletzt fanden auch zahlreiche Musikerinnen und Musiker aus dem benachbarten Frankreich den Weg nach hier, wie z.B. Alain Bashung, der sein Konzertalbum „Live Tour 85“ hier final abmischte. Françoise Hardy, Mano Negra, Noir Désir, Vanessa Paradies oder auch Renaud und Indochine produzierten hier ebenfalls Platten und Songs.
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Trümpfe der Studios und aktuelle Musik
Im Laufe der Jahre wurden die Studios erweitert und inzwischen wird in insgesamt 4 Tonstudios aufgenommen, abgemischt und produziert. Die Lage von ICP in Brüssel hat zum einen einen strategischen Vorteil, denn die Studios liegen quasi mitten in Europa und sie sind günstiger als die Konkurrenz in London oder in Paris.
Zum anderen verdanken die ICP Recording Studios ihren guten Ruf ihren wunderbaren und erfahrenen (Ton)Technikern sowie dem Klang und der Tonqualität ihrer zum Teil sehr alten Mischpulte und Aufnahmeanlagen. Laut John Hastry hat das einen ganz bestimmten Grund: „Die Abbey Road Studios in London sind unsere Referenz.“
Heute sind u.a. die angesagtesten belgischen Künstlerinnen und Künstler hier zu Hause, wie der Brüsseler Rapper Damso oder der Chansonnier und Popsänger Loïc Nottet. Aber auch flämische Bands, wie Balthazar die niederländischsprachigen Popstars von Clouseau oder Oscar and the Wolf nehmen hier auf.


