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Höhepunkt in den 1980er Jahren: Die Geschichte der Brüsseler Tonstudios

Brüssel war in den 1980er Jahren ein Walhalla für Aufnahmestudios. Musiker aus der ganzen Welt kamen hierher, um ihre Platten aufzunehmen. Doch irgendwann in den 1990er Jahren verblasste die Szene und viele Studios machten dicht. Die Brüsseler Nachrichtenplattform BRUZZ zeichnete diese Geschichte in ihrer Reihe „Big City“ nach. 

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

In den 1980er Jahren hatte Brüssel in Sachen Ton- und Aufnahmestudios einen sehr guten Ruf und alles, was Rang und Namen hatte, kam hierher, um Platten aufzunehmen. Dies ist bis heute noch so, denn z.B. Pharell Williams, Paolo Nutini oder auch Alicia Keys nehmen neue Platten zumindest teilweise hier auf oder lassen ihre Produktionen in Brüssel mischen oder mastern.

Das erste kommerzielle Aufnahmestudio in der belgischen Hauptstadt, das Jet Studio (Fotos) wurde schon 1942 eröffnet und zwar auf dem Jetsesteenweg in Koekelberg. Dort ist heute noch das berühmte Jet Studio zuhause. In den 1960er Jahren nutzte das Plattenlabel Decca Records häufig dieses Studio für Aufnahmen der Rolling Stones. Doch auch Edith Piaf, Charles Trenet und Toots Thielemans nahmen hier auf. 

Immer mehr Studios wurden in Brüssel eröffnet

Neben Decca Records betrieb auch die Musiksparte von Philips in Brüssel ein Studio und zwar in der Priemstraat. Dieses Studio soll eine ganz besondere Akustik gehabt haben und der heute 80 Jahre alte Chansonnier Adamo soll davon so überzeugt gewesen sein, dass er hier seine ersten Tonaufnahmen machte. 

1965 eröffneten zwei Tontechniker aus dem Philips Studio ihr eigenes Studio. Das war das Studio Madeleine in der Magdalenastraat.

In den beiden Jahrzehnten danach schossen die Tonstudios in Brüssel regelrecht aus dem Boden und ihre Qualität hatte einen guten Ruf weit über die Grenzen des Landes hinaus. In Ukkel wurde das Studio Morgan eröffnet, in der Nähe von Ribaucourt nahm das Studio Caraïbes die Arbeit auf und an der Beginenhof-Kirche entstand das Studio DES. In den 1980er Jahren zählte die belgische Hauptstadt gut und gerne 45 Aufnahmestudios, die für rund 100 Ganztagsstellen sorgten. 

Günstiger als in anderen Metropolen

Die Brüsseler Studios waren deutlich günstiger als die Konkurrenz in London oder Paris. Und Belgien war bekannt als ein Land mit guten Tontechnikern, die sich in den Anfangsjahren dieser Branche mit Elektronik sehr gut auskannten. Sie bauten ihre Mischpulte teilweise selbst, denn in der Zeit vor 1970 wurden solche Anlagen nur selten von Elektronik-Herstellern produziert.

Das änderte sich erst in den 1980er Jahren, quasi in den „Goldenen Jahren“ für Tonstudios, als diese nach und nach über exklusive und zumeist auch sehr teure Aufnahmeapparatur verfügten. Mitunter kostete ein Mischpult für ein Tonstudio so viel, wie ein durchschnittliches Einfamilienhaus in der Hauptstadt und die waren damals schon recht teuer.

Das Ende begann in den 1990er Jahren

Die Blütezeit der Brüsseler Tonstudios endete im Laufe der 1990er Jahre, als neue technologische Entwicklungen - z.B. Musiksoftware – dafür sorgten, dass Musiker auch in den eigenen vier Wänden oder in ihren Proberäumen selbst sehr einfach aufnehmen konnten. Es wurde immer einfacher, zu mischen, zu remixen und zusätzliche Instrumente in Aufnahmen einzuspielen.

Große Tonstudios wurden in vielen Fällen überflüssig und das betraf auch die einst so große Szene in Brüssel. Inzwischen wurde auch die digitale Aufnahmeapparatur bezahlbarer und jetzt sprossen die Homestudios wie Pilze aus dem Boden. 

Noch drei Brüsseler Studios

Heute existieren in Brüssel noch drei große namhafte Tonstudios: ICP in Elsene, Dada Studios in Schaarbeek und das eingangs bereits erwähnte Jet Studio in Koekelberg, der Pionier in der Hauptstadt. Jedes dieser Studios hat seine eigenen Trümpfe.

Das Jet Studio bietet neben alten Mischpulten, einer analogen Echokammer (In der analogen Tontechnik ein architektonischer Bestandteil traditioneller Studios zur Erzeugung oder Verstärkung von Halleffekten) auch einen einmaligen Sound, denn die Geräuschisolierung der Aufnahmeräume wurde hier niemals verändert.

Die Dada Studios in Schaarbeek haben sich auf Filmmusik konzentriert und ICP genießt bei internationalen Superstars ein hohes Ansehen. Leider müssen diese drei übriggebliebenen Ikonen der Brüsseler Aufnahmestudio-Szene ständig ums Überleben und um den Erhalt ihrer Jobs kämpfen. 

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