In der Stadt Geel in der Provinz Antwerpen gibt es eine jahrhundertealte Tradition, nach der psychisch kranke und hilfsbedürftige Personen in Familien aufgenommen und gepflegt werden. Die Unesco, die gerade in Botswana zusammensitzt, erkennt diese Art der Pflege jetzt als vorbildliche Praxis an und nimmt sie in das immaterielle Kulturerbe der Menschheit auf.
Einmalige Pflegeweise in Geel wird von der Unesco als vorbildliche Praxis anerkannt
Die traditionelle Pflege von pflegebedürftigen Menschen in Geel in Flandern ist eine soziale Tradition, die von Generation zu Generation weitergegeben wird und sie ist damit in den Augen der Unesco eine wichtige Angelegenheit für die Identität der Gesellschaft in dieser Stadt.
Nach der Aufnahme der Heilig Blut-Prozession von Brügge, der Bierkultur oder auch der Soldatenfriedhöfe aus dem Ersten Weltkrieg, sowie der historischen Bewässerungstechnik von Wiesenlandschaften in Lommel in Limburg (die am Mittwoch bekannt wurde), kommt jetzt auch die Pflegetradition von Geel in die Liste des Kulturerbes der Menschheit der Unesco.
Inklusion im Sinne des Wortes
Die Familienpflege von Geel ist ein besonderes psychiatrisches Pflegemodell. Hier nehmen einfache Familien Menschen, die es psychisch nicht leicht haben, bei sich auf.
Was das Modell von Geel so besonders macht, ist die Idee, das psychisch geschwächte Menschen in einer normalen (familiären) Umgebung genesen können. Der Nachdruck liegt hier auf Inklusion, auf gemeinschaftliches Leben und auf dem Wegnehmen von Stigmata rund um psychisches Leiden.
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Jahrhunderte alte Tradition, die auf eine Heilige zurückgeht
Die Geschichte der Familienpflege in Geel geht auf das Mittelalter zurück und findet ihren Ursprung in der Verehrung der Heiligen Dimpna. Doch im Laufe des 19. Jahrhunderts entwickelte sich diese Pflegeweise von einer religiösen Heilungsart in eine medizinische Methode. Heute nehmen etwa 120 Familien und Haushalte in Geel kurz- aber auch mittel- und langfristig sensible Menschen auf. Sie werden dabei vom Öffentlichen Psychiatrischen Pflegezentrum Geel (OPZ) unterstützt.
Die hl. Dimpna ist die Schutzpatronin der psychisch Kranken. Die Verehrung als Heilige geht auf eine Entdeckung der Gebeine eines Mannes und einer Frau im 13. Jahrhundert bei Geel zurück. Aus der entsprechenden mündlichen Überlieferung entstand eine Vita, der aber kein historischer Wert beigemessen wird. Für die Heilige wurde die Sint-Dimpnakerk in Geel errichtet, die früher vor allem Menschen mit geistiger Einschränkung anzog, die mit ihren Reliquien in Berührung gebracht wurden.
MP Jambon ist stolz auf die jüngsten Anerkennungen
Flanderns Ministerpräsident Jan Jambon (N-VA) zeigte sich stolz darauf, dass die Unesco flämische Traditionen als immaterielles Kulturerbe anerkennt: „Hiermit setzen wir die reichhaltige Diversität unseres immateriellen und kulturellen Erbes weltweit ins Scheinwerferlicht. Diese Anerkennungen unterstreichen die Wichtigkeit von Zusammenarbeit und dem Teilen von Wissen. Daneben wird hier gezeigt, dass zeitgenössische Themen, wie Inklusion und Nachhaltigkeit, mit dem Kulturerbe Hand in Hand gehen können.“

