Der Streik des Schleusenpersonals und der Lotsen in Flandern konnte trotz eines Abkommens mit Landesinnenministerin Gwendolyn Rutten (Open VLD) in der Nacht zum Mittwoch nicht beendet werden. Rutten einigte sich mit der christlichen Gewerkschaft ACV auf das sogenannte „Nikolaus-Abkommen“, doch sie freute sich zu früh, denn die beiden anderen Gewerkschaften machen nicht mit. Inzwischen aber nehmen einige Behinderungen für den Schiffsverkehr ab und einige Schleusen öffnen wieder - allerdings nur die an der Schelde. Andernorts wird weitergestreikt. Und der Verkehr von und zu den flämischen Seehäfen läuft auch noch nicht rund...
Trotz Abkommen mit einer Gewerkschaft: Die Schleusenwärter der Binnenschifffahrt in Flandern streiken weiter
Die Gewerkschaften aus dem öffentlichen Dienst im Bereich Schifffahrt im belgischen Bundesland Flandern protestieren mit ihren Streiks gegen die Reform ihres Beamtenstatuts. Seit Dienstag werden die Schleusen auf den Binnenschifffahrtswegen bestreikt und vor dem Hafen von Antwerpen stauen sich die Hochseefrachter.
Im Laufe des Mittwochs könnte sich die Zahl der Schiffe, die auf einen Lotsendienst zur Einfahrt z.B. in die Schelde auf dem Weg nach Antwerpen auf über 100 erhöhen. An den Schleusen im Inland sind die Staus der Binnenschiffe ebenfalls länger und länger.
Landesinnenministerin Rutten einigte sich in der Nacht zum Mittwoch mit der christlichen ACV auf ein Abkommen. Neue Mitarbeiter werden dabei nach wie vor keinen Beamtenstatus mehr bekommen, doch ihre vertraglichen Bedingungen werden deutlich verbessert - auch und gerade bei langer Krankheit (ein sensibles Thema in dieser Frage). Doch der sozialistischen ACOD und der liberalen VSOA reicht das nicht und sie streiken bis auf weiteres weiter.
Im Laufe des Mittwochs ging die Streikbereitschaft nach und nach zurück. Im Hafen von Gent können wieder Binnenschiffe und Hochseefrachter auslaufen und die Zahl der vor Antwerpen wartenden Schiffe ging bis zum Mittwochnachmittag auf rund 30 Frachter zurück. Doch dies betrifft eigentlich lediglich den Bereich der Schelde. Andernorts wird weitergestreikt.
Noch immer ist der Albertkanal unterbrochen, genauso wie der Seekanal nach Brüssel, die Verbundungen nach Zeebrügge und der Kanal Löwen-Leie. Inzwischen sind wieder über 100 Binnenschiffe blockiert.
Am Mittwoch haben sich die Wärter der Hubbrücke am Kanal Brüssel-Schelde in Willebroek den Streikenden angeschlossen. Hier lagen am Donnerstagmorgen 10 Binnenschiffe fest. Die Binnenschiffer protestierten ihrerseits und ließen in der Nacht ihre Schiffshörner erklingen, was die Nachtruhe der Anwohner störte (Video hierunter). Hier mussten die Polizei und der Bürgermeister der Stadt schlichten. Inzwischen protestieren auch andernorts Binnenschiffer gegen die Blockaden der Schleusenwärter.
(Lesen Sie bitte unter den beiden Videos weiter)
Immer noch Auswirkungen auf die Seehäfen
Die Lotsen der Hochseeschifffahrt streiken zwar nicht mehr, doch der Verkehr von und zu den flämischen Seehäfen ist noch immer schwierig. In Antwerpen muss noch ein Rückstau abgearbeitet werden, denn es warten noch immer rund 90 Schiffe darauf, in den Hafen einlaufen zu können, um Ladung zu laden oder zu löschen.
Der Hafen von Zeebrügge ist dadurch eingeschränkt, als dass die Binnenschifffahrt hier noch völlig unmöglich ist. Zahlreiche Frachter können den Hafen nicht verlassen und andere können noch nicht einlaufen. Insgesamt sollen sich auf den flämischen Binnenwasserwegen bis zu 250 Schiffe stauen.



