Zum Hauptinhalt springen
Inland
Politik

Melissa Depraetere ist die neue Parteivorsitzende von Vooruit, den flämischen Sozialdemokraten

Conner Rousseau, der die Partei in den Meinungsumfragen zu neuen Höhen geführt hatte, aber im Mittelpunkt mehrerer Kontroversen stand, trat am Freitag nach einem betrunkenen rassistischen Ausraster  zurück. Am Wochenende übernahm Melissa Depraetere (Foto) den Parteivorsitz von Vooruit. Sie wird die Sozialdemokraten nächstes Jahr im Wahlkampf anführen. 

Veröffentlicht:

Die 31-jährige Frau aus Westflandern stand bisher an der Spitze der Fraktion der flämischen Sozialdemokraten in der Abgeordnetenkammer des Bundesparlamentes. Sie gilt seit vielen Jahren als Vertraute des zurückgetretenen Conner Rousseau.

"Ich weiß, dass wir die einzige Partei sind, die etwas für die einfachen Leute bewegt. Ich weiß das, weil ich eine von ihnen bin. Ich komme aus einer einfachen Arbeiterfamilie", fasst Depraetere in wenigen Sätzen die Grundsätze ihres politischen Engagements zusammen.

Nicht prädestiniert für die Politik

Depraetere sagte, sie sei nicht für die Politik vorherbestimmt gewesen. Als Teenager hatte sie keine Ambitionen in diese Richtung, und zu Hause wurde kaum über Politik gesprochen.

Ihr Vater war Schweißer, ihre Mutter arbeitet als Logistikassistentin in einem Pflegeheim. Dieser Hintergrund führt dazu, dass sie sich anders in die Politik einbringe als viele ihrer Kollegen, meint sie: "Ich komme aus einem ganz anderen Umfeld als die meisten Politiker. Lange Zeit habe ich mich für mein Gehalt geschämt, weil es so viel höher war als das meines Bruders und meiner Eltern."

Depraetere stammt aus Harelbeke in Westflandern und bildete bei Vooruit jahrelang ein Tandem mit Rousseau. Er als Vorsitzender, sie als Fraktionsvorsitzende in der Kammer und als Rousseaus Vertraute. Wie eng das Band ist, wurde in den letzten Tagen deutlich. Sie allein verteidigte ihn am Donnerstag vor den Fernsehkameras, nachdem neue Details über seine rassistischen und sexistischen Äußerungen bekannt geworden waren. "Diese Aussagen waren falsch, wir haben uns entschuldigt. Conner wird die Sanktionen einhalten und damit ist alles gesagt."

Von Mitarbeiterin zur Fraktionsvorsitzenden in nur fünf Jahren

Die 31-jährige Depraetere - auch ihr Alter hat sie mit Rousseau gemeinsam - ist vor rund 10 Jahren in die Politik eingestiegen. Sie begann als Mitarbeiterin der Partei und wurde 2014 Mitglied des Sozialamtes in ihrer Heimatstadt Harelbeke. Sie hat sich in der nationalen Politik einen Namen gemacht, indem sie mit dem ehemaligen Vooruit-Vorsitzenden John Crombez zusammenarbeitete und Unregelmäßigkeiten im Dossier über die Ersatzbeschaffung von F-16-Kampfjets aufdeckte.

Auch in der Partei macht sie sich einen Namen. Als 25-Jährige unterbreitet sie zusammen mit Rousseau einen Vorschlag zur Reform der Partei: "An einem Sonntag schrieben wir einen Plan und übergaben ihn dem Parteivorstand. Einige der älteren Mitglieder verdrehten die Augen", erzählte sie später den Medien.

Im Jahr 2019 wurde sie auf dem zweiten Platz der sozialistischen Liste in Westflandern ins Parlament gewählt.  Sie erhielt mehr als 12.000 Vorzugsstimmen. Als ihre Partei in die aktuelle Koalitionsregierung eintrat, wurde sie Fraktionsvorsitzende in der Kammer. In wichtigen Debatten ist sie seitdem das Gesicht von Vooruit. Depraetere ist eine einflussreiche Stimme, die zum Beispiel gegen die niedrigen Sparzinsen der Banken protestiert und sich für eine niedrigere Mehrwertsteuer auf Energie einsetzt.

Meistgelesen

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5