Conner Rousseau (Foto) tritt als Vorsitzender von Vooruit, der flämischen Sozialdemokraten, zurück. Das hat er am Freitagabend auf einer vom Fernsehen übertragenen Pressekonferenz bekannt gegeben. Der Sozialist geriet in den letzten Tagen in die Kritik, nachdem neue Details über seine rassistischen Äußerungen während einer nächtlichen Sauftour bekannt wurden. Morgen wird Vooruit seinen Nachfolger oder seine Nachfolgerin bekannt geben.
Nach Rassismus-Skandal: Conner Rousseau kündigt Rücktritt als Parteivorsitzender von Vooruit an
"Ich trete mit sofortiger Wirkung als Parteivorsitzender von Vooruit zurück", verkündete Rousseau. "Der Wirbel um meine Person lenkt vom Wesentlichen ab. Es geht nicht mehr darum, wofür Vooruit kämpft. Um den Kampf für bessere Löhne und die Gesundheit der Menschen. Um den Kampf gegen die extreme Rechte, der so wichtig ist. Es geht zu sehr um die Aufregung um meine Person".
Rousseau entschuldigte sich erneut und hofft auf eine zweite Chance: "Ich habe mich selbst enttäuscht und ich habe viele Menschen in Flandern enttäuscht. Ich hoffe, die Menschen können mir auch verzeihen. Ich glaube an eine Gesellschaft, in der es Platz für eine zweite Chance gibt. Aber ich merke, dass diese zweite Chance für mich heute sehr schwierig ist. Ich hoffe immer noch, dass viele Menschen, die enttäuscht sind, mir zum richtigen Zeitpunkt eine zweite Chance in der Politik und außerhalb der Politik geben können und mir verzeihen können."
Seit Tagen unter Beschuss
Rousseau stand in den letzten Tagen im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Anfang September tauchten Details über seine rassistischen Äußerungen auf, die er während einer feucht-fröhlichen Nacht in eine Kneipe in Sint-Niklaas gemacht hatte und die auf einem Polizeivideo zu hören sind. Die Zeitung „Het Nieuwsblad“ veröffentlichte seine wörtlichen Aussagen von diesem Abend. Dazu gehörten Zitate von Rousseau wie "brauner Abschaum", "braune Männer" oder "Roma, die man einfach verprügeln sollte". Er soll auch sexuell anstößige Bemerkungen über eine Freundin gemacht haben, die mit ihm in der Kneipe war.
Der Druck auf Rousseau nahm in den letzten Tagen und Stunden weiter zu. Innerhalb der Partei schwiegen fast alle zu diesem Thema. Von außen wurde die Frage immer lauter, ob er als Vorsitzender einer sozialistischen Partei weitermachen könne. Auch die Koalitionspartner von Vooruit in der Bundesregierung verurteilten die rassistischen Äußerungen von Rousseau scharf.
Die Partei trat deshalb heute zu einer außerordentlichen Vorstandssitzung zusammen. Dort beriet die Parteispitze von Vooruit über die Position ihres Vorsitzenden. Das Parteibüro hätte ihn gebeten, noch zu bleiben, doch Rousseau selbst sah keinen Ausweg: "Ich habe die Entscheidung selbst getroffen."
Vier Jahre als Vorsitzender
Rousseau wurde 2019 als völlig unbekannter Mitzwanziger Parteivorsitzender. Er reformierte und verjüngte die Partei. Nach schwierigen Jahren brachte er die flämischen Sozialdemokraten - die er selbst in Vooruit (Voran) umtaufte - in den Umfragen wieder nach oben. Dort erreichen die Sozialisten heute zwischen 15 und 20 Prozent. Damit wären sie die drittgrößte Partei in Flandern.
Der jüngste Parteivorsitzende aller Zeiten hat sich durch seine Art in den sozialen Medien zu kommunizieren, seine Teilnahme an Unterhaltungssendungen wie "Der maskierte Sänger" und einige markante Sprüche einen Namen gemacht. So forderte er unter anderem eine obligatorische Grundbeschäftigung für Arbeitslose und formulierte markige Sprüche zur Migration. Auch bekannte er sich zu seiner Bisexualität und kam wegen des Verdachts sexueller Übergriffe gegen junge Männer in die Medien.
Neben der Verjüngung innerhalb der Partei holte Rousseau auch einige alte Führungsfiguren zurück. Es gelang ihm, Caroline Gennez und Frank Vandenbroucke wieder zu Ministern zu machen.

