Conner Rousseau (Foto), der Vorsitzende der flämischen Sozialisten Vooruit, hatte sich Anfang September in angetrunkenem Zustand in einem Café in seiner Heimatstadt Sint-Niklaas (Ostflandern) gegenüber Polizisten sehr abwertend und rassistisch über Roma geäußert. Dies führe zu Anzeigen und zu Ermittlungen von Seiten der ostflämischen Staatsanwaltschaft. Nebenbei aber muss sich Rousseau einer Therapie über Sprache und Wirkung unterziehen.
Vooruit-Parteichef Conner Rousseau muss wegen seines Sprachgebrauchs in Therapie gehen
Im Rahmen der Ermittlungen hat die Staatsanwaltschaft Ostflandern für Rousseau auch eine Vermittlung mit den Roma-Verbänden in Belgien eingeleitet. Mit einigen Roma hatte sich der flämische Sozialistenchef kurz nach dem Vorfall bereits getroffen und sich entschuldigt. Hier wurde ihm zuvor Rassismus vorgeworfen.
Jetzt muss Conner Rousseau aber auch mit einem Therapeuten über Sprache und Wirkung sprechen. Dies wird die ermittelnde Staatsanwaltschaft ein Jahr lang beobachten, um zu kontrollieren, ob der Spitzenpolitiker die ihm auferlegten Maßnahmen auch befolgt.
Dazu gehört unter anderem auch ein Besuch in der KZ- und Holocaust-Gedenkstätte in der Kaserne Dossin in Mechelen. Von dort aus sind in der Nazizeit auch Sint und Roma in die Vernichtungslager des Dritten Reiches abtransportiert worden.
Hält Rousseau alle Maßnahmen innerhalb dieses Vorgangs ein, werden die Ermittlungen gegen ihn beendet. Die Justiz hält eine Vermittlung zwischen Täter und Opfer, in diesem Fall Rousseau und die Roma für wichtiger und effizienter als eine Bestrafung.
Was bedeutet das alles für Rousseau und seine Partei?
Dass ein führender Politiker, zumal nur wenige Monate vor den Parlaments- und Regionalwahlen, einer Therapie zu Sprache und Wirkung folgen muss, ist ein zumindest hierzulande nie dagewesener Vorgang, wie VRT-Politikjournalist Ivan De Vadder bemerkt: „Die Definition eines Politikers ist die, dass er mit seinen Worten Einfluss hat…“
Hier stehe die Glaubwürdigkeit eines linken und progressiven Politikers auf dem Spiel, so De Vadder: „Der Vorsitzende von Vooruit steht ein Jahr lang unter Begleitung eines Justizassistenten.“ Ob er jetzt noch Stellung zu Themen wie Integration und Migration nehmen kann, ist fraglich.
In seiner Partei herrscht zu dieser Frage ohrenbetäubende Stille. Auf Anfragen zu Kommentaren werde entweder nicht reagiert oder nein gesagt und offiziell heißt es dazu: „Die Partei hat diese Seite umgeschlagen.“
Gerade werden die Wahllisten zusammengestellt, so De Vadder, da wolle es sich niemand bei Vooruit mit Conner Rousseau verscherzen: „Vooruit ist eine relativ hierarchische Partei. Daneben würde man das Huhn mit dem goldenen Eiern schlachten. Die Partei zeigt in den Umfragen eine ungeahnte Höhe. Dabei handelt es sich um eine Verdopplung.“
Ivan De Vadder zitiert dabei auch Winston Churchill, der da sagte: “If you're going through hell, keep going.”
