Nach den unrühmlichen Bemerkungen über Roma, die sich der Vorsitzende der flämischen Sozialisten (Vooruit), Conner Rousseau (Foto) vor einiger Zeit in trunkenem Zustand in seiner Heimatstadt Sint-Niklaas gegenüber Polizisten zuschulden kommen ließ, traf dieser am Mittwoch dort mit Roma zusammen. Diese nahmen seine Entschuldigungen als ehrlich wahr und akzeptierten. Eine Roma-Vereinigung aus Brüssel allerdings reichte Strafanzeige gegen Rousseau ein.
Conner Rousseau und die Roma: Die einen hören ihn an und die anderen zeigen ihn an
Mit der Roma-Gemeinschaft seiner Stadt Sint-Niklaas in der Provinz Ostflandern hatte sich Vooruit-Parteichef Conner Rousseau am Mittwoch getroffen, wie die flämische Tageszeitung Het Laatste Nieuws meldete. Hier hieß es danach, man habe ein „konstruktives Gespräch“ geführt und dass seine Entschuldigungen „aufrecht und überzeugend“ gewesen seien.
Imer Kajtazi von der Roma-Gemeinschaft in Sint-Niklaas sprach von einem „sehr interessanten Gespräch“: „Wir haben seine Entschuldigungen angenommen und akzeptiert. Wir glauben an die Stärke von Dialog und Zusammenarbeit.“
Laut Kajtazi sei auch über die Gründung eines Roma-Kulturzentrums in Sint-Niklaas gesprochen worden. Seine Gemeinschaft, die ja quasi direkt von Rousseau beleidig wurde, werde keine Anzeige gegen die führenden sozialistischen Politiker einreichen.
Brüsseler Roma fahren schweres Geschütz auf
Die Brüsseler Roma-Organisation vzw Kham hingegen reichte sehr wohl Strafanzeige gegen Conner Rousseau ein und zwar bei der Staatsanwaltschaft Ostflandern, die auch für Sint-Niklaas zuständig ist. Die Anzeige betrifft Rassismus mit Anstiftung zu Diskriminierung, Hass und Gewalt.
Rousseau habe am Rande des Friedensfestes von Sint-Niklaas vor einer Woche in betrunkenem Zustand genau das getan, so Abderrahim Lahlali, der Anwalt de Vereinigng Kham: „Es geht darum, dass solche Aussagen für Hass sorgen. Ich selbst habe 20 Jahre Erfahrung als Anwalt in vielen Rassismusfällen, doch noch nie habe ich von einer derartigen Schändung der Rassismus-Gesetzgebung gehört. Es handelt sich schließlich hier im den Vorsitzenden einer Regierungspartei (Vooruit ist Teil der belgischen und der flämischen Regierung (Red.)). Der Impakt dieser Sprüche ist enorm.“
Auschwitz
Dass Rousseau seine Sprüche ausgerechnet im Rahmen der Friedensfeste in Sint-Niklaas klopfte, hält Roma-Anwalt Lahlali für besonders schmerzhaft, denn diese Veranstaltung erinnert an die Befreiung der Stadt von den Nazis im Zweiten Weltkrieg. Der Rechtsanwalt erinnert daran, dass gerade auch die Roma Opfer der Nazis waren.
Deshalb will ihn die vzw Kham auch dazu einladen, gemeinsam mit Jugendlichen aus Brüssel zum KZ Auschwitz zu reisen, wo mindestens 20.000 Roma ermordet wurden: „Neben Worten wollen wir auch Taten sehen. Kham reist jedes Jahr mit jungen Leuten nach Auschwitz. Wenn Herr Rousseau seine Entschuldigungen aufrichtig meint, wird er eingeladen, mitzugehen, um sich ein Bild davon machen zu können, welchen Impakt seine Worte auf Roma haben, eine Gemeinschaft, die schon seit Jahrhunderten in Europa diskriminiert und verfolgt wird.“

