"Um das Drogenproblem in Brüssel in den Griff zu bekommen, ist eine gute Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten entscheidend", betont Ine Van Wymersch (Foto), die nationale Drogenbeauftragte, in der VRT-Sendung "De ochtend" auf Radio 1. Aber jeder muss auch über ausreichend Personal und finanzielle Mittel verfügen. Derzeit gibt es dafür kein Geld, aber "es gibt kreative Lösungen", fügt Ine Van Wymersch hinzu. Sie befürwortet die Einrichtung eines "Drogenfonds", wie es ihn in Spanien bereits gibt. Mithilfe dieses Fonds werden Gelder, die von kriminellen Organisationen konfisziert werden, an die Justiz, die Polizei und Sozialarbeiter weitergegeben.
Drogenbeauftragte plädiert für "Drogenfonds", der mit konfisziertem kriminellem Vermögen finanziert wird
"Wir müssen das Drogenproblem an der Wurzel bekämpfen", sagte die nationale Drogenbeauftragte. Ihrer Meinung nach wird es das Problem nicht lösen, wenn man sich nur auf die Strafverfolgung konzentriert. "Es ist absurd, dass die Polizei Konsumenten festnimmt, um sie Stunden später wieder freizulassen, weil es nicht genug Beweise für eine Anklage gibt".
Ine Van Wymersch hält drei Bereiche für wichtig, wenn wir das Drogenproblem in unserem Land in den Griff bekommen wollen: "Zunächst einmal geht es um die Durchsetzung der Gesetze durch Polizei und Justiz. Darüber hinaus spielen auch Beratung und Prävention eine wichtige Rolle. Und schließlich ist da noch die Infrastruktur.“
Sich nur auf Repression zu konzentrieren, ist nicht die Lösung, meint Ine Van Wymersch. "Ich denke, jeder ist sich bewusst, dass sich die Drogenkonsumenten oft in einer gefährdeten sozialen Situation befinden und dass die Lösung nicht nur von der Polizei und der Justiz kommen wird. Ihre Aufgabe ist es, die Sozialarbeiter zu unterstützen, damit sie ihre Arbeit in Sicherheit tun können".
"Anti-Drogen"-Fonds, der mit konfisziertem Geld finanziert wird
"Damit alle Beteiligten ihre Arbeit machen können, brauchen wir zusätzliche Mittel. Überall fordern die Menschen mehr Personal und Ressourcen", stellt Ine Van Wymersch fest. "Aber es ist nicht genug Geld da und deshalb müssen wir nach kreativen Lösungen suchen".
"Es gibt Möglichkeiten in diesem Bereich", sagt die Kommissarin für Drogenbekämpfung. Sie führt das Beispiel Spanien an, wo mit einem "Drogenfonds" gearbeitet wird, der mit konfisziertem Geld gespeist wird, mit Geld also, das durch den Verkauf des Eigentums von Drogenhändlern eingenommen wird. "Das Geld der Kriminellen fließt dann über diesen Fonds an Sozialarbeiter, aber auch an die Polizei und die Justiz“.
Die Drogenkommission prüft derzeit unter anderem, wie ein solcher Fonds bei uns konkret funktionieren würde, und wird das Ergebnis der Regierung und dem Nationalen Sicherheitsrat vorlegen. "Wenn dieser Vorschlag nach den Wahlen in das Regierungskoalitionsabkommen aufgenommen wird, können wir bereits in der nächsten Legislaturperiode mit der Arbeit daran beginnen und strukturelle Änderungen vornehmen".
Die Bahnhöfe Brüssel-Süd und Brüssel-Nord sind konkrete Problemzonen
In Brüssel scheint Crack ein großes Problem zu sein. "Es ist die Droge der Armen", erklärt Ine Van Wymersch. "Sie benutzen es, um eine Zeit lang der Realität zu entfliehen. Aber nach dem "High" kommt fast sofort der "Crash".
Unter anderem in den Bahnhöfen Brüssel-Süd und Brüssel-Nord wird dieses Problem immer augenfälliger. "Die Reisenden werden dort häufig mit Personen konfrontiert, die auf dem Boden liegen und völlig zugedröhnt sind. Drogenabhängige beginnen auch zu halluzinieren und irren dann völlig desorientiert durch die Gänge des Bahnhofs."
Der Konsum von Drogen ist oft gleichbedeutend mit Kriminalität. "Er schafft eine Abhängigkeit. Die Menschen leben von einer Dosis zur nächsten und begehen kriminelle Handlungen, um schneller an die nächste Dosis zu kommen". Oder sie fangen an zu betteln. "Aber das Betteln verursacht auch Probleme in den Bahnhofsvierteln", betont Ine Van Wymersch.
Die Drogenbeauftragte möchte die Probleme in den Bahnhöfen durch eine Anpassung der Infrastruktur angehen. Beispielsweise gibt es in den Brüsseler Bahnhöfen zu viele Eingänge, so dass die Bahnpolizei die Kontrolle über die Personen verliert, die den Bahnhof betreten, und es gibt auch zu viele Orte, an denen Dealer Drogen verstecken können. "Wir haben Infrabel und die Bahn gebeten, die Infrastruktur genau zu untersuchen".


