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Mysteries van Vlaanderen: Wie und warum landet ein Liebesbrief aus Leipzig in Kriegstagen hinter einer Wandtapete in Dendermonde? (2)

In diesem Sommer löst der flämische Regionalsender Radio2 jede Woche ein Geheimnis oder ein Rätsel mithilfe des Publikums und Sachkundiger. Hörerin Lisa Dewulf möchte herausfinden, wie ein Liebesbrief aus dem Zweiten Weltkrieg hinter der Wandtapete ihres Hauses in Dendermonde gelandet ist. Der Brief aus Leipzig, abgestempelt im Lager Sportplatz, war für eine Adresse in Molenbeek bestimmt und beginnt mit Mon petit coeur adoré ...

Martina Luxen
Veröffentlicht:

Der Brief wird vor sieben Jahren von Lisa Dewulf gefunden, die ein Haus in Sint-Gillis, einem Stadtteil von Dendermonde in der Provinz Ostflandern kauft. Bei den Renovierungsarbeiten entdecken sie unter der Tapete im Kinderzimmer einen Brief aus dem Zweiten Weltkrieg!  

Absender und Empfänger sind auf den ersten Blick ersichtlich: Geschrieben hat ihn der Jacques Triffaux, Torgauerstrasse in Leipzig, adressiert ist er an Jeanne Biesmans in Sint-Jans-Molenbeek/Brüssel. Im Brief selbst aber wendet sich Jacques an Irène, seine junge Ehefrau, die Tochter von Frau Biesemans. 

Dewulf hat den Brief gelesen und untersucht und auch andere Leute zu diesem Brief unter der Tapete gefragt, aber nur wenige Antworten bekommen. Deshalb hat sie Radio2 und die Redaktion der Sommerserie Mysteries van Vlaanderen um Hilfe gebeten.

(Teil 1: Nebenstehender Beitrag) 

Was Radio 2 noch herausgefunden hat

Das Paar hatte am 23. Juni 1943 geheiratet und war in das Haus der Eltern der jungen Frau im Brüsseler Bezirk Sint-Jans-Molenbeek gezogen. Zwei Wochen später musste der 22-jährige Jacques Triffaux nach Deutschland reisen, um in einem Lager zu arbeiten. Von dort aus schrieb er seiner Frau regelmäßig, erzählte ihr vom Alltag im Arbeitslager in Leipzig und wie sehr er sie vermisste.

In seinem Brief vom Oktober 1943 schreibt Jacques Triffaux an Irène, dass sich die Situation verschlimmert: "Ich bin ohne Essen zur Arbeit gegangen. Als ich meine Lebensmittelmarken abholen wollte, gab es deren weniger. Das ist ein Zeichen dafür, dass die Bedingungen sich verschlechtern." 

Radio 2-Hörerin Sabine De Leye findet in einem Nazi-Archiv im Internet die Information, dass Jacques Triffaux einige Zeit später nach Belgien beurlaubt wird und nicht mehr nach Deutschland zurückkehrt. Er taucht am 10. März 1944 unter. Das ist fünf Monate, nachdem der Brief abgeschickt wurde, und einige Monate vor Kriegsende.

Was ist nach dem Krieg aus Irène und Jacques geworden? Radio 2 hat die Familie und Nachbarn kontaktiert.

Ob Jacques sofort nach Molenbeek zurückkehrt, ist unklar. Wir wissen aber, dass er den Krieg überlebt und bis 1955 mit Irène an der Adresse lebt, an die der Brief geschickt wurde. Dann ziehen sie nach Brügge. Die Ehe bleibt kinderlos. Irène hatte aber einen Bruder, Guillaume Biesemans.

Was wissen die Neffen und Nichten über Onkel Jacques und Tante Irène?

Es gab einen Streit zwischen Irène und meinem Vater", erzählt Paula Biesemans, Irènes Nichte: "Ich weiß eigentlich schon lange nicht mehr, warum." Auch ihr Mann und ihr Bruder wissen nicht viel. "Wir haben Tante Irène Madame Paris genannt, sie hat sich benommen, als gehöre sie zum Jetset", erinnert sich Jan Biesemans.

Die ehemaligen Nachbarn von Irène und Jacques erinnern sich auch: "Wir kannten das Paar sehr gut. Sie zogen in den 1960er Jahren in unsere Straße, hier in Brügge. Sie hatten wenig Kontakt zu ihren Familien und wurden unsere besten Freunde. Jacques war sogar Trauzeuge bei unserer Hochzeit. Er arbeitete als Handelsvertreter und sie nähte wunderschöne Kleider. Auch für uns hat sie welche genäht. Sie waren in der Nachbarschaft sehr beliebt. Irène und Jacques waren sehr nette Leute, sie hatten einen kleinen süßen Dackel. Jetzt sind sie schon lange tot. "

Wissen die ehemaligen Bewohner des Hauses in Sint-Gillis bei Dendermonde etwas über den Brief von Jacques an Irène und warum er hinter die Tapete gelandet ist?

Bevor Lisa Dewulf das Haus vor sieben Jahre kaufte, war es von verschiedenen Mietern bewohnt worden, die nichts von einem versteckten Brief wussten.

Ein gewisser Marcel Bovyn ließ das Haus in den 1930er Jahren bauen. So steht es in der Kaufurkunde. Er muss zu der Zeit dort gelebt haben, als Jacques Triffaux den Brief im Juli 1943 an Irène schrieb. Oder war das Haus zu dieser Zeit vermietet und wenn ja, an wen?

Radio 2 hat das Rätsel noch nicht gelöst und sucht jetzt nach den Bewohnern des Hauses im Jahr 1943. Nur so wird Lisa Dewulf vielleicht erfahren, warum der mysteriöse Brief in ihrem Haus versteckt wurde.

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