Die Geschworenen beim Schwurgerichtsverfahren nach den Terroranschlägen auf Brüssel vom 22. März 2016 haben nach fast 3 Wochen ihre Beratungen zur Schuldfrage der 10 Angeklagten abgerundet. Noch nie hat sich in der belgischen Justizgeschichte eine Geschworenenjury so lange zu Beratungen zurückziehen müssen. Sie begab sich am 6. Juni in Klausur.
Brüsseler Terrorprozess: Die Geschworenen haben ihre Beratungen nach fast 3 Wochen abgerundet
Die Geschworenen mussten Antworten auf insgesamt 287 Schuldfragen finden. Die wichtigste Frage lautet wohl: Welche die 10 Angeklagten ist hier schuldig?
Bei den Anschlägen auf den Brüsseler Nationalflughafen in Zaventem und auf die Metrostation Maalbeek im Zentrum von Brüssel kamen am 22. März 2016 32 Menschen ums Leben (weitere starben später an den Folgen der Attentate) und fast 700 wurden zum Teil schwerstens verletzt.
Die Geschworenen musste also feststellen, wer an den Morden und an den Mordversuchen an hunderten Menschen Schuld hat. Ab den Mittagsstunden werden die Urteile der Geschworenen mit allen Details vorgelesen. Danach dürfen sich die Mitglieder des Schwurgerichts in den verdienten Urlaub begeben. Im September dann wird der Prozess fortgesetzt. Dann muss die Jury der Geschworenen festlegen, wer mit welchen Strafmaß belegt werden muss.
Wer sind die Angeklagten?
Einer der wichtigsten Angeklagten ist zweifellos Mohamed Abrini, der „Mann mit Hut.“ Er ließ eine Gepäckkarre mit Sprengstoff in der Abflughalle des Flughafens zurück und wanderte zu Fuß und von zahlreichen Kameras aufgenommen ins Stadtzentrum zurück. Abrini bekannte sich schuldig für terroristischen Mord, Mordversuch und Teilnahme an den Aktivitäten einer terroristischen Organisation.
Daneben steht auch Osama Krayem vor Gericht. Er hatte die Metrostation Maalbeek mit einem Rucksack voller Sprengstoff betreten aber auch wieder verlassen, ohne seine Bombe zu zünden. Auch er bekannte sich auf ganzer Linie schuldig.
Dann musste sich die Jury auch mit Salah Abdeslam und mit Sofien Ayari befassen. Beide wurden eine Woche vor den Anschlägen im Brüsseler Stadtteil Molenbeek festgenommen und beharren darauf, dass sie mit diesen Attentaten nichts zu tun haben, weil sie seinerzeit schon im Gefängnis saßen. Abdeslam hatte im November 2015 seine Sprengstoffbombe bei den Anschlägen auf Paris nicht gezündet und war nach Brüssel zurückgekehrt, war dort aber offenbar Teil der neuen Terrorzelle.
Eine weitere Schuldfrage betrifft den mutmaßlichen Kopf der Anschläge, Oussama Atar. Er ist vermutlich im Bürgerkrieg in Syrien ums Leben gekommen, doch weil das Gericht kein Risiko eingehen wollte, wurde er trotzdem offiziell angeklagt.

