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Fluxys verlegt "Gaspipeline der Zukunft”: doppelt so viel Gas nach Deutschland und bereit für Wasserstoff

Der belgische Fernleitungsnetzbetreiber Fluxys arbeitet derzeit mit Hochdruck an einer neuen Pipeline zwischen dem Hafen von Gent und Opwijk. Die 44 Kilometer lange Leitung soll den Transport von Erdgas vom Hafen von Zeebrugge nach Deutschland verdoppeln. Gleichzeitig ist es die erste neue Pipeline von Fluxys, die für den zukünftigen Transport von Wasserstoff geeignet ist.

Martina Luxen Luc Pauwels Belga
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"Die Werft des Jahrzehnts" - so beschreibt Fluxys seine neue Pipeline, die derzeit zwischen Desteldonk am Hafen von Gent und Opwijk in der Provinz Flämisch-Brabant gebaut wird. Die neue Pipeline wird direkt neben einer bereits bestehenden liegen.  

Fast das 15-fache des größten Atomreaktors in Belgien

Die neue Pipeline soll den bestehenden Engpass bei der Verbindung von Zeebrugge nach Deutschland beseitigen. Derzeit verläuft bereits eine große Pipeline vom LNG-Terminal in Zeebrugge nach Deutschland. Diese führt über Brügge, Gent, Opwijk und den großen Knotenpunkt in Winksele bei Leuven weiter nach Lüttich und dann über die belgisch-deutsche Grenze nach Eynatten.

Die Leitungen auf der Strecke sind überall doppelt verlegt worden, außer auf dem Abschnitt zwischen Desteldonk und Opwijk, was jetzt nachgeholt wird. Damit wird die Durchsatzkapazität auf der bestehenden Strecke nach Deutschland auf einen Schlag verdoppelt. Nach Angaben des Betreibers Fluxys können so pro Stunde etwa 15 Gigawattstunden (GWh) zusätzliche Energie nach Deutschland geleitet werden. Das ist vergleichbar mit der 15-fachen Produktion von Doel 4, dem größten Atomreaktor in Belgien. 

Wichtiges Bindeglied für die Gasversorgung in Deutschland

In diesem Sinne ist die Leitung auch ein wichtiges Bindeglied für die Gasversorgung in Deutschland, das stark von Russland und von der sabotierten Ostseepipeline Nord Stream 1 abhängig war. 

Belgien kann jetzt 30 statt 15 GWh Gas pro Stunde nach Deutschland schicken. Die stillgelegte Nord Stream 1-Pipeline lieferte 73 GWh. 

Deutschland hat daher seinen Blick vor allem nach Belgien gerichtet, das über sein LNG-Terminal in Zeebrügge und seine Pipelines mit Norwegen und Großbritannien eine ganze Menge Gas von West nach Ost pumpen kann. Durch die Beseitigung des Engpasses auf belgischem Boden kann Fluxys nun bei maximaler Kapazität rund 30 GWh pro Stunde über die beiden Pipelines zusammen nach Deutschland schicken. 

Nicht nur Erdgas, sondern auch Wasserstoff

Die geplante Pipeline ist auch zukunftsweisend, denn sie ist die erste Pipeline im 4.000 Kilometer langen belgischen Netz von Fluxys, die ausdrücklich auch für den Transport von Wasserstoff ausgerüstet ist. 

Fluxys hat die Absicht, ein ganzes Wasserstoffnetz aufzubauen. Dazu muss das Unternehmen seine bestehenden Erdgasleitungen anpassen und neue Verbindungen schaffen. Die 44 Kilometer zwischen Desteldonk und Opwijk sind ein erstes konkretes Stück davon. Auch gesetzgeberische Arbeit ist nötig: Die belgische Energieministerin Tinne Van der Straeten (flämische Grünen, Groen) hat bereits Anfang des Jahres einen Gesetzentwurf vorgelegt. Laut Van der Straeten ist Belgien das erste EU-Land, das einen Rechtsrahmen für die neue Wasserstoffwirtschaft vorbereitet.

Belgien soll zu einer Drehscheibe für den Wasserstofftransport werden. Die Versorgung über Häfen und der Transit in den Rest Europas über Pipelines ist das Ziel. Aber auch der Absatz an die belgische Industrie soll gewährleistet werden, die schließlich mehr und mehr auf Wasserstoff als Energieträger umsteigen wird. U. a. Stahlgigant Arcelor-Mittal in Gent oder die Petrochemiebetriebe in Antwerpen, aber auch an die neuen Kraftwerke, die irgendwann mit Wasserstoff statt mit Erdgas betrieben werden sollen.

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