In den Ermittlungen, die durch die Entschlüsselung des Sky ECC-Telefonsystems aufgenommen wurden, hat die Ratskammer in Brüssel 127 Verdächtige an das Strafgericht verwiesen. Es handelt sich um mutmaßliche Mitglieder einer kriminellen Vereinigung, die in großem Stil Kokain nach Europa eingeführt hat. Der Megaprozess, der schon in wenigen Monaten beginnen könnte, wird große Anstrengung der Sicherheitsbehörden verlangen.
Megaprozess im Anzug: 127 Verdächtige werden in der größten Brüsseler Sky ECC-Akte vorgeladen
Das Knacken des verschlüsselten Sky ECC-Systems löste im Oktober 2021 insgesamt 114 Durchsuchungen aus, bei denen 64 Personen festgenommen wurden. Mehr als 1.100 Polizeibeamte waren bei der groß angelegten Aktion, die von der belgischen Staatsanwaltschaft geleitet wurde, im Einsatz. Der Schwerpunkt der Operation lag in Brüssel, wo rund 80 Durchsuchungen durchgeführt wurden, unter anderem in den Gemeinden Sint-Jans-Molenbeek und Sint-Joost-ten-Node. Die Ermittler konnten damals sechs Drogenlabore ausheben, in denen importiertes Kokain für den Vertrieb auf dem gesamten europäischen Kontinent neu verpackt wurde. Außerdem konnte die Polizei Dutzende von Schusswaffen, 67 Fahrzeuge und eine Million Euro in bar sicherstellen.
Bei den Durchsuchungen wurden 64 Verdächtige festgenommen. Es handelte sich zumeist um Albaner und Kolumbianer. Im Laufe der Ermittlungen wurden Dutzende weitere Personen verhaftet und unter Verdacht gestellt. Die Staatsanwaltschaft identifizierte schließlich 127 Verdächtige, darunter einen Polizeibeamten aus Brüssel. Er soll gegen sein Berufsgeheimnis verstoßen und Informationen aus Polizeidatenbanken weitergegeben haben. In der Zwischenzeit läuft auch ein separates Ermittlungsverfahren gegen einen Brüsseler Anwalt, der angeblich daran beteiligt war.
Die Brüsseler Ratskammer folgte dem Antrag der Staatsanwaltschaft und verwies alle Verdächtigen an das Strafgericht. Der Megaprozess wird voraussichtlich nach dem Sommer in dem Gerichtsgebäude beginnen, wo derzeit auch der Prozess zu den Anschlägen vom 22. März 2016 stattfindet.
Kraftakt für die Sicherheitsbehörden
In jedem Fall verspricht der Prozess ein weiterer Kraftakt für die Polizeikräfte zu werden, die für die Verlegung der Festgenommenen und die Sicherung des Gerichts zuständig sind. So befinden sich derzeit noch fünfzig Verdächtige in diesem Fall in Gewahrsam. Sie müssen daher bei jeder Anhörung vom Gefängnis in den Gerichtssaal verlegt werden, wo sie während des gesamten Prozesses bewacht werden müssen.

