Am 9. März 2021 konnten Polizei und Justiz in mehreren europäischen Ländern dem internationalen Drogenhandel einen schweren Schlag versetzen. Damals gelang es, das oft von kriminellen Kreisen genutzte Kommunikationsnetzwerk Sky ECC zu knacken und zahllose geheime Konversationen zu entschlüsseln. Inzwischen sind zwar rund 500 Ermittlungsverfahren anhängig und mehrere Betroffene sind zu teilweise langen Haftstrafen verurteilt worden, doch seit dem nimmt die Gewalt im Drogenhandel zu, was ein neues Problem darstellt.
2 Jahre Sky ECC: Rund 500 laufende Verfahren gegen die Drogenkriminalität
Um alle Dossiers vernünftig bearbeiten zu können, die seit dem Dechiffrieren von Sky ECC laufen, brauchte die Polizei mehr Personal, aber auch Fachkräfte aus anderen Sektoren, sagte Yves Driesen, Leiter der föderalen Kriminalpolizei in Antwerpen dazu gegenüber VRT NWS: „Vor zwei Jahren wussten wir noch nicht, welches Volumen da auf uns zukam und wir mussten auf eine kreative Art und Weise Kapazität schaffen.“
Dabei seien auch Personen aus anderen Sektoren herangezogen worden, so Driesen, wie z.B. Datenwissenschaftler, Ingenieure, Finanz- und Steuerfachkräfte, Buchhalter und andere Fachleute: „Wir haben diese Leute direkt rekrutiert, ohne dass sie zuerst noch ein Jahr auf die Polizeischule gehen mussten. Sie konnten damals direkt mit ihren ‚Skills‘ an die Arbeit herangehen.“
Zunahme der Gewalt
Bundesjustizminister Vincent Van Quickenborne (Open VLD) sagte zu 2 Jahren Sky ECC, dass dieser polizeiliche und juristische Erfolg aber auch eine Kehrseite habe, denn in Zusammenhang mit der Drogenkriminalität habe die Gewalt zugenommen: „Wir hatten den Tod eines unschuldigen Mädchens, verschiedene Anschläge in Antwerpen und in Ostflandern. Journalisten werden bedroht. Politiker werden bedroht… Das sind alles Folgen davon, dass die Justiz jetzt ihre Zähne zeigt.“
Der Justizminister ist davon überzeugt, dass sich das letztendlich auch ändern wird, doch zuerst wird es wohl noch schwieriger werden: „Ich bin davon überzeugt, dass, wenn wir den Hafen von Antwerpen zu einer Polizeifestung umbauen können und mit mehr Scannern Container kontrollieren, um Drogen zu finden, sich das Blatt wenden wird.“
1 Milliarde geheime Gespräche geknackt - 1.000 Jahre Knast
Im Zuge der Entschlüsselung der kriminellen Kommunikation von Drogenbanden bei Sky ECC konnte 1 Milliarde geheime Gespräche geknackt werden und es konnten zahllose Fotos eingesehen und als Beweismittel genutzt werden. Aufgrund dieser Ermittlungsergebnisse konnten zahlreiche Festnahmen erfolgen, wie der Antwerpener Staatsanwalt Franky De Keyzer angibt.
Der Staatsanwalt sprach gegenüber VRT NWS von 525 Personen, die Haftrichtern vorgeführt werden konnten: „Wir haben inzwischen auch eine recht hohe Zahl an Urteilen durch die Gerichte, etwa 25 mittlerweile. Und es wurden weiter einige Hundert Verdächtige erstinstanzlich verurteilt. Wir liegen inzwischen gut 1.000 Jahren Gefängnisstrafen, wenn man alles zusammenzählt.“
Sky ECC in Brüssel
In Brüssel will die Bundesstaatsanwaltschaft nicht weniger als 128 Verdächtige vor Gericht bringen. Ihnen wird in diesem Verfahren vorgeworfen, große Mengen an Kokain nach Europa geschmuggelt zu haben. Vor rund anderthalb Jahren waren bei Hausdurchsuchungen Drogenlabore, Waffen und Bargeld in Höhe von 1 Mio. € beschlagnahmt worden. Jetzt konnten die Ermittlungen in diesem Fall abgerundet werden.
Unter den Verdächtigen sind einige Kolumbianer und Albaner. Aber, es flog auch ein Brüsseler Polizist auf, der Informationen aus den Datenbanken der Polizei an die Bande weitergegeben hatte. In der kommenden Woche kommt der Fall zur Brüsseler Ratskammer. Hier wird entschieden, ob die 128 Verdächtigen auch effektiv vor Gericht gestellt werden.
