Der Vorsitzende der flämischen christdemokratischen CD&V, Sammy Mahdi, hat in einem TikTok-Video die "Hexenjagd auf Acid" angeprangert. Der YouTuber hatte ein Video geteilt, in dem er Namen von Mitgliedern der Studentenvereinigung Reuzegom nannte. Er fand die Arbeitsstrafen gegen 18 Angeklagte zu milde. Bei einer Studententaufe war der Student Sanda Dia ums Leben gekommen. Die Anwälte werfen dem Parteivorsitzenden vor, Öl ins Feuer zu gießen.
Prozess Sanda Dia: CD&V Parteichef prangert “Hexenjagd auf Acid” an, nachdem dieser Namen der verurteilten Studenten auf YouTube veröffentlicht
In einem TikTok-Video klagt Sammy Mahdi an, dass die traditionellen Medien oft jede Einzelheit nellen Medien oft jede Einzelheit über Personen preisgeben, die noch nicht einmal schuldig gesprochen wurden, dass aber im Fall der Reuzegommer, deren Schuld erwiesen sei, keine Namen genannt werden.
Damit stellt sich der Parteivorsitzende auf die Seite des in Flandern beliebten YouTuber Acid, der für die Veröffentlichung seines Videos eine Woche lang von YouTube verbannt wird.
Die Reaktion von Sammy Mahdi stößt auf heftige Kritik. Verständlicherweise bei den Anwälten der verurteilten Studenten, die ihm vorwerfen, Verschwörungstheorien zu nähren. Aber auch bei den anderen Parteien und insbesondere in der eigenen christdemokratischen Partei.
Mahdi selbst erwähnt das Wort "Klassenjustiz" nicht, aber er versteht, dass andere es tun. "Ich habe in dem Video vor allem die Frustration angesprochen, die viele Menschen empfinden", antwortete der CD&V-Vorsitzende: "Sie haben derzeit das Gefühl, dass mit zweierlei Maß gemessen wird. Ich verstehe diese Frustration." Er habe mit seiner Reaktion eine Debatte in der Politik auslösen wollen, begründet Mahdi sein TikTok-Video.
Parteivorsitz ins Wankeln gebracht?
Der politische Kolumnist Rik Van Cauwelaert sieht Mahdis Karriere als Parteivorsitzender böse enden: “Es ist nicht klug, das Unvertretbare zu verteidigen, ohne genau informiert zu sein. Acid hat Namen genannt, die mit dem Fall gar nichts zu tun haben. Das ist ein schwerer journalistischer Fehler, wenn er überhaupt versuche, Journalist zu sein."
"Ich verstehe nicht, warum ein Vorsitzender einer politischen Partei so etwas tut", so Van Cauwelaert weiter: "CD&V hat sehr wichtige Justizminister gestellt. Da würde man doch erwarten, dass er so jemanden zuerst anruft."
Das wird böse enden. Er will vor allem Aufmerksamkeit erregen, aber das wird sich gegen ihn wenden
Rik Van Cauwelaert, Kolumnist
"Ich habe auch nicht den Eindruck, dass er sich mit dem Dossier befasst hat. Als Vorsitzender einer politischen Partei sollte er sich vor allem an den Reaktionen der Familie von Sanda Dia orientieren. Sie haben eine bewundernswerte Zurückhaltung an den Tag gelegt. Mahdi mischt sich dreist in eine Debatte ein, in die er sich noch nie eingemischt hat und von der er offensichtlich wenig Ahnung hat."
"Das wird böse enden", prophezeit Van Cauwelaert. "Er will vor allem Aufmerksamkeit erregen, aber das wird sich gegen ihn wenden. Wenn ich jetzt die interne Diskussion höre, ist er ein totaler Versager. Wenn er nicht aufpasst, wird er seine Präsidentschaft aufs Spiel setzen."

