Nach Ansicht des Allgemeinen Nachrichten- und Sicherheitsdienstes der belgischen Armee (ADIV) haben Spionage und Einmischung aus dem Ausland mittlerweile ein Niveau erlebt, wie zu Zeiten des Kalten Krieges nicht mehr. Aus dem Jahresbericht des ADIV ist ersichtlich, dass es sich dabei vor allem um eine Bedrohung aus Russland handele.
Belgiens militärischer Nachrichtendienst warnt: Aktuell so viel Spionage wie im Kalten Krieg
Eigentlich hatten die wirtschaftlichen Sanktionen und die Ausweisung von russischen Diplomaten seit dem Angriffskrieg in Russland die Tätigkeiten der Spionagetätigkeiten von dort aus vermindert. Die russische Spionagetätigkeit legte den Fokus letztes Jahr eher auf den Konflikt mit der Ukraine. Doch der ADIV warnt davor, dass die Cyber-Spionage zunehmen wird. Pro-russische Hacker und Aktivisten würden immer mehr Cyberattacken auf Länder starten, die Russland als Bedrohung werte.
Doch diese Drohung komme nicht alleine aus Russland. Der militärische Abschirmdienst der belgischen Armee warnt auch vor China.
Zum ersten Mal gehöre der Leiter des chinesischen Nachrichtendienstes zum Politbüro, also zu Führungsspitze Chinas. Von dort aus werde es wohl auch vermehrt zu Cyberangriffen kommen.
Neue Armee-Komponente: Cyber Command
Um sich gegen die Bedrohung aus dem Cyberspace wehren zu können, richtete die belgische Armee bzw. der militärische Nachrichtendienst letztes Jahr eine neue Armee-Komponente ein. Neben den Landstreitkräften, Marine und Luftwaffe sowie der medizinischen Komponente gibt es jetzt auch die Komponente „Cyber Command.“ Deren Leiter, Vize-Admiral Wim Robberecht, hält dies heute für unerlässlich: „Unsere Welt ist digital geworden, in allen Lebenslagen.“
Der ADIV stellte für diese neue Cyber-Komponente im vergangenen Jahr 53 Soldaten und 26 Zivilisten an, die sich auf die Abwehr von Angriffen im Internet konzentrieren. In Zukunft wird diese Einheit weiteres Personal bekommen. Vize-Admiral Robberecht will in den kommenden 5 Jahren bis zu 1.000 Mann in dieser neuen Einheit haben.
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Extremismus und Terrorismus
Im aktuellen Jahresbericht des Allgemeinen Nachrichten- und Sicherheitsdienstes der belgischen Armee wird aber auch die Bedrohung im eigenen Land analysiert. Der ADIV erwartet, dass die anhaltende Inflation und die wirtschaftliche Lage für mehr Gewalt sorgen werde. Protestbewegungen würden aus links- und rechtsextremer Richtung unterwandert. Nicht zuletzt werde auch „der anhaltende Migrationsdruck auf Europa die rechtsextreme Propaganda weiter füttern.“
Was die religiös motivierte Terrordrohung betrifft, geht der ADIV davon aus, dass es derzeit noch keine nennenswerte Führungsfiguren bei Al Qaida oder bei IS gebe. Vorläufig geht der Nachrichtendienst davon aus, dass die Bedrohungslage im Bereich religiös motivierte Anschläge 2023 der aus dem letzten Jahr entsprechen werde. Vorerst wird davon ausgegangen, dass Attentate in dieser Hinsicht eher von Einzeltätern durchgeführt würden.


