Zum Hauptinhalt springen
Inland
Wirtschaft

Ende des Sozialkonflikts bei Delhaize nicht abzusehen - Weiterer Schlichtungsversuch gescheitert

Am Wochenende ist ein weiterer Schlichtungs- und Vermittlungsversuch im Sozialkonflikt bei der belgischen Supermarktkette Delhaize gescheitert. Nach einer drei Stunden langen Verhandlungsrunde zwischen der Direktion und den Gewerkschaften im Beisein eines von der Bundesregierung eingesetzten Schlichters sagten die Arbeitnehmervertreter, dass man auf „taube Ohren“ gestoßen sei. Jetzt wollen die Gewerkschaften einen nationalen Aktionstag im gesamten belgischen Retailsektor initiieren. 

Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Auch die zweite Schlichtungsrunde bei den Sozialgesprächen bei Delhaize brachte keine Lösung. Im Gegenteil. Weiterhin wollen beide Seiten von ihren Standpunkten keinen Millimeter abrücken. Delhaize will ihre 128 selbstbetriebenen Filialen an Franchisenehmer abgeben, doch die Gewerkschaften fordern, diesen Plan zurückzuziehen. 

Sie befürchten Einkommensverluste für die Beschäftigten und schlechtere Arbeitsbedingungen. Die Stimmung ist gereizt und eine Videobotschaft von Delhaize-CEO Xavier Piesvaux (Foto unten) an das gesamte Personal wurde von Seiten der Arbeitnehmervertreter als Provokation aufgefasst.

Piesvaux reagierte jetzt zum ersten Mal seit Ausbruch dieses Sozialkonflikts vor rund einem Monat. In einer neunminütigen Ansprache sagte er u.a.: „Alle Arbeitnehmer der betroffenen Supermärkte werden ihren Job behalten, ihre Karriere in der gleichen Filiale fortsetzen und ihre gesamten Einkommens- und Arbeitsbedingungen während dem Übergang behalten.“

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter)

Delhaize-CEO Xavier Piesvaux

Weiter sagte der Delhaize-CEO: „Die Resultate unser eigenen Supermärkte waren in den vergangenen Jahren rückläufig, während für die selbständigen Geschäfte das Gegenteil gilt.“ Xavier Piesvaux sagte auch, dass er die Beweggründe der streikenden Mitarbeiter verstehe, doch er hofft, dass die Ruhe zurückkehrt und dass alle Beteiligten gemeinsam daran arbeiten sollten, die Zukunft von Delhaize zu sichern: „Neben dem Streikrecht finden wir auch, dass das Recht auf Arbeiten respektiert werden muss. Darum garantieren wir weiter den Zugang zu unseren Geschäften.“

Damit sprach Piesvaux ein Gerichtsurteil an, nach dem Delhaize das Recht hat, Streikposten vor Filialen oder vor Vertriebszentren der Gruppe durch Polizei und Gerichtsvollzieher zum Abzug zu zwingen, wie auch am Wochenende wieder vorkam. Auch in dieser Aussage sehen die Gewerkschaften eine Provokation und keine Unterstützung der Arbeitnehmer: „Wir kann er nur sagen, dass der Franchiseplan die einzige Lösung ist. (…) Eigentlich erzählt er hiermit, dass Verhandeln keinen Sinn hat.“ Dies sei ein Schlag ins Gesicht und bringe keine Perspektive.

Nationaler Aktionstag

Am Wochenende hatten die Gewerkschaften vor allem in der Wallonie wieder mehrere Delhaize-Warenhäuser bestreikt und in einigen Fällen wurden die Blockaden von Gerichtsvollziehern aufgehoben.

Jetzt wollen sich die Gewerkschaften neu aufstellen und nach alternativen Wegen suchen, um ihre Worte mit Taten zu unterstreichen. Das seien Massendemonstrationen und ein möglicher Aktionstag im gesamten belgischen Retailsektor möglicherweise am 10. Mai, wie aktuell kursierende Gerüchte vermuten lassen.

Man werde auf jeden Fall an neuen Gesprächen oder Schlichtungen teilnehmen, denn die Direktion bei Delhaize dazu bereit sei, sich mit ihnen zu einigen, so die Gewerkschaften, „doch wenn sie sich nicht öffnen, dann hört es für uns auf.“ 

Meistgelesen

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5