Die Schlichtungsrunde zwischen den Gewerkschaften und dem Management der belgischen Supermarktkette Delhaize brachte kein Ergebnis. Am späten Dienstagnachmittag gingen die Beteiligten auseinander, denn der zur Rate gezogene Schlichter konnte nicht wirklich vermitteln. Seit 6 Wochen läuft bei Delhaize ein Sozialkonflikt, denn die Warenhausgruppe will sich von seinen 128 noch selbst betriebenen Märkten trennen und diese an Franchisenehmer abstoßen.
Delhaize: Schlichtung verlief ergebnislos - Aktionen der Gewerkschaften sollen wieder schärfer werden
Nach dem ergebnislosen Schlichtungsversuch wollen die Gewerkschaften, die nichts weniger fordern, als dass Delhaize sein Vorhaben zurückzieht, ihre Aktionen weiterführen und möglicherweise noch verschärfen. Die Arbeitnehmervertreter gehen davon aus, dass eine Abgabe der Märkte an selbständige Betreiber zu schlechteren Gehalts- und Arbeitsbedingungen führen werde.
Nach der Schlichtung hieß es von Seiten der Gewerkschaftsfront: „Wir haben 10 Stunden lang auf ein Signal der Direktion gewartet, um über eine Alternative zu diskutieren. Doch ihre Antwort blieb Nein. Delhaize bleibt bei dem Vorhaben, seine 128 Geschäfte zu franchisieren. Damit kommen wir nicht weiter.“
Es kann also durchaus möglich sein, dass die Streiks und Blockaden von Delhaize-Märkten und von den Vertriebslagern weitergeführt und sogar noch verschärft werden. In den kommenden Tagen und Wochen werde es weitere Proteste geben: „Und die werden wahrscheinlich intensiver. Uns ist klar geworden, dass und die Direktion nur als Mobiliar betrachtet oder als eine Dose Erbsen, die im Regal steht, was man einem Franchisenehmer weiterverkaufen kann. Wir sind sehr enttäuscht und werden diese Botschaft auch an unsere Kollegen weitergeben.“
Schlichter
Gewerkschaften und Direktion saßen am Dienstag von 8 Uhr am Morgen bis etwa gegen 18 Uhr am späten Nachmittag beim Bundesarbeitsministerium in Brüssel zusammen. Das war die insgesamt 4. Verhandlungsrunde seit dem Ausbruch des Sozialkonflikts vor sechs Wochen.
Um die Gemüter zu beruhigen hatte Bundesarbeitsminister Pierre-Yves Dermangne (PS) einen Schlichter auf den Plan gerufen. Das war ein Beamter der staatlichen Behörde für Arbeit und Soziales, der Fachmann für Verhandlungen zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern ist. Doch dieser konnte nichts ausrichten. „Sogar der Schlichter konnte nichts ausrichten“, so die Gewerkschaften nach der ergebnislos verlaufenen Schlichtungsrunde.
Das bedeutet, dass die rund 9.000 betroffenen Beschäftigten der abzustoßenden 128 Warenhäuser weiter bange abwarten müssen. Derweil wird wohl weiter gestreikt und protestiert. Damit sind die Beschäftigten von Delhaize nicht alleine. Am Montag wurden in der Provinz Limburg mehrere Lidl-Märkte bestreikt, weil die Beschäftigten dort gegen zu hohen Arbeitsdruck protestierten. Und in der vergangenen Woche demonstrierten die Gewerkschaften des gesamten Retail-Sektors in Belgien für bessere Tarifbedingungen.
