Die Setca (sozialistische Gewerkschaft der Angestellten, Techniker und Führungskräfte) reicht im Sozialkonflikt zwischen der Gewerkschaft und der Geschäftsleitung der Warenhauskette Delhaize Klage bei der Arbeitsaufsichtsbehörde in Brüssel ein. Begründung: Die Geschäftsleitung verstoße gegen das Renault-Gesetz und die Pflicht zur Anhörung und Unterrichtung der Arbeitnehmer. Die Klage richtet sich gegen die juristische Person - den Arbeitgeber (Delhaize) - und drei Mitglieder der Geschäftsleitung, so Setca in einer am Donnerstag verbreiteten Erklärung.
Fronten verhärten sich: Sozialistische Gewerkschaft reicht Klage gegen Geschäftsleitung von Delhaize ein
Delhaize hatte Anfang März angekündigt, 280 Arbeitsplätze am Hauptsitz abzubauen. Damit habe die Geschäftsleitung gegen das Renault-Gesetz über die betriebsbedingte Kündigung verstoßen.
"Die Geschäftsleitung erklärt in der Presse ausnahmslos, dass sie zum Dialog bereit ist und transparent sein möchte, aber ihre Handlungen stehen in krassem Widerspruch zu diesen Worten und die soziale Konzertierung wird nicht respektiert", kritisiert die sozialistische Organisation.
"Die Beschäftigten wurden vor vollendete Tatsachen gestellt. Ihre Vertreter erhalten nicht die notwendigen Informationen, um gut verhandeln zu können."
Setca wirft der Geschäftsleitung vor, da sie angibt, ein ruhiges Klima in den Gesprächen anzustreben, "währenddessen aber die Streikenden vor Ort einschüchtert und ihnen den Gerichtsvollzieher schickt.”
Die Geschäftsführung von Delhaize kündigte Anfang März ihre Absicht an, die 128 noch in Eigenregie geführten Geschäfte an selbstständige Franchisenehmer zu übergeben. Die Gewerkschaften lehnen diesen Wechsel ab, da sie schlechtere Arbeitsbedingungen befürchten. Seit der Ankündigung am 7. März haben rund 40 Geschäfte nicht wieder geöffnet.
Der belgische Arbeitsminister Pierre-Yves Dermagne (PS) hat nach den gescheiterten Gesprächen vom Dienstag einen Vermittler eingesetzt.
Am 18. April sollte sich der Vermittler erstmals mit der Unternehmensleitung und den Gewerkschaften zusammensetzen, doch ein konstruktiver Dialog scheint derzeit in weiter Ferne.

