Die christliche Gewerkschaft ACV und die liberale Gewerkschaft ACLVB wollen, dass es in Belgien zu einem einheitlichen Statut für die Beschäftigten im Retail-Sektor kommt. Es sei erschreckend, wie groß die Gehaltsunterschiede und wie verschieden die Arbeitsbedingungen zwischen den Warenhäusern und Supermärkten der großen Gruppen und den kleineren selbständig geführten Märkten sei, hieß es dazu.
Sozialkonflikt bei Delhaize: Gewerkschaften plädieren für ein Einheitsstatut im belgischen Retail-Sektor
Gleicher Lohn für gleiche Arbeit sei ein Basisrecht, sagte Kristel Van Damme von der christlichen Retail-Gewerkschaft ACV Plus am Sonntag in der VRT-Gesprächsrunde „De zevende dag“ („Der siebte Tag“) zum Sozialkonflikt bei Delhaize. Hier regt sich seit 2 Wochen Protest gegen die Tatsache, dass die Delhaize-Warenhausgruppe ihre 128 selbstbetriebenen Filialen an selbständige Betreiber verkaufen wollen. Die Beschäftigten dieser Filialen befürchten, dabei zu schlechteren Gehalts- und Arbeitsbedingungen arbeiten zu müssen.
„Für uns scheint es normal, dass jede Kassiererin und jeder Regalauffüller bei Delhaize oder bei AD Delhaize genau das Gleiche verdienen“, so Van Damme: „Bei Delhaize verdienen sie nicht besonders viel. Man fängt dort mit einem Basisgehalt von 2.000 € brutto an.“
Überdies, so die Gewerkschaften, gehe das Problem der Verselbständigung von Warenhäusern weiter als Delhaize. Und deshalb plädieren sie für ein einheitliches Statut für alle Beschäftigten im Kaufhaus- bzw. Retail-Sektor. Vorgeschlagen wird ein System, dass sich „paritair comité“ nennt und dass in einer Konzertierung zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern ein solches Statut, zur Not unter Mithilfe eines Schlichters, aushandeln soll. Im Retail-Sektor nennt in Belgien gibt es ein solches Abkommen, dass sich PC 202 nennt und dass die Arbeits- und Einkommensbedingungen für Angestellte in kleinen Einzelhandel für Lebensmittel regelt. Dies könnte eine Basis für ein allgemeines Statut für diesen Sektor sein, so die Gewerkschaften.
Streikankündigung und politische Reaktion
Die Gewerkschaften kündigen für den 17. April einen Streik im gesamten Retail-Sektor in Belgien an. Das ist der Tag, an dem die Sozialverhandlungen zum gesamten Sektor beginnen. ACV-Plus-Vertreterin Van Damme sagte dazu, dass man an einem solchen Tag eine symbolische Aktion starten müsse: „Dann ist es fast schon ein Must, unsere Mitglieder mit Streikgeld freizustellen.“
Die Politik ist hingegen der Ansicht, dass streiken im gesamten Sektor kein gutes Signal gebe. Flanderns Landesarbeitsminister Jo Brouns von den flämischen Christdemokraten CD&V sagte in „De zevende dag“, dass es besser sei, mit einem kühlen Kopf an die Sache ranzugehen: „Es ist ein Sozialkonflikt bei Delhaize. Jetzt droht dies zu entgleisen und dass sollten wir wirklich verhindern. Die Gewerkschaften und Delhaize sollten gegenseitig ihre Logik begreifen. Delhaize hat ein Problem mit dem enormen Konkurrenzdruck und will in die Verselbständigung gehen. Sie müssen das tun, allerdings mit Respekt für ihre 9.000 Arbeitnehmer.“
Mix von Statuten? - Blockade beendet
An gleicher Stelle riet Egbert Lachaert, Vorsitzender der flämischen Liberalen Open VLD, dazu, einen Schlichter zur Lösungsfindung bei Delhaize zu bestimmen und er zeigte auch Verständnis für ein „paritair comité“: „Es liegen schon länger Pläne dazu vor. Doch die Gewerkschaften müssen verstehen, dass man den kleinen Selbständigen nicht das beste aller Welten auferlegen kann. Man muss einen Mix zwischen verschiedenen Statuten anbieten.“
Inzwischen wurde die Blockade der Gewerkschaften des Delhaize-Vertriebszentrums in Zellik in Flämisch-Brabant bei Brüssel von der Polizei beendet. In der Nacht zum Samstag rückten die Polizei und ein Gerichtsvollzieher an, um die Blockade durch rund 100 Gewerkschaftsmitglieder zu beenden. Als dort die Stimmung aggressiv wurde, drohte die Polizei, alle Demonstranten festzunehmen, wonach diese die Aktion beendeten. Allerdings gehen die Streiks in den von einer Verselbständigung betroffenen Delhaize-Filialen weiter und die Belieferung von anderen Filialen verspätet sich noch etwas durch diese Blockade in Zellik.

