Der Angeklagte El Haddad Asufi hatte am Donnerstagmorgen zum Verhandlungsbeginn ausgesagt, die Polizei habe ihn gewürgt und er sei in Ohnmacht gefallen. Verletzungen bei dem Angeklagten waren von einem Gerichtsmediziner bestätigt worden. Im Polizeibericht wird der Vorfall ganz anderes vorgestellt: "Er ließ sich fallen und tat, als würde er ersticken". VRT-NWS-Redakteure konnten den offiziellen Polizeibericht über den Vorfall im Gefängnis von Haren einsehen, in dem die Angeklagten des Prozesses wegen Körperverletzung inhaftiert sind.
Brüsseler Terrorprozess: Laut Polizeibericht hat Terrorverdächtiger Ali El Haddad Asufi Verletzungen provoziert
Der Angeklagte Ali El Haddad Asufi (rechts auf der Anklagebank) beantragte am Donnerstagmorgen bei der Gerichtsverhandlung medizinische Hilfe. Nach Angaben seines Anwalts wurde er von der Polizei gewaltsam angegangen und an der Kehle gepackt, als er vom Gefängnis zur Verhandlung gebracht wurde. Ein Rechtsmediziner untersuchte den Angeklagten und stellte Verletzungen am Hals fest, entschied aber, dass El Haddad Asufi an der Anhörung teilnehmen könne. Der Angeklagte selbst sah sich dazu nicht mehr in der Lage und kehrte zusammen mit den anderen Angeklagten in die Zelle zurück. Sein Anwalt hat bei der Staatsanwaltschaft Anzeige erstattet.
Die Polizei hat aber auch eine offizielle Anzeige wegen ungebührlichen Verhaltens verfasst. VRT-NWS-Redakteure konnten die Aussage des betroffenen Polizisten zum Sachverhalt einsehen.
Aus dem Polizeibericht
"Am 8. Dezember 2022 kamen wir um 7 Uhr morgens im Gefängnis von Haren an. Wir haben eine erste Reihe von Durchsuchungen bei den sieben Inhaftierten durchgeführt. Und das hat reibungslos geklappt."
Es folgte eine zweite Kontrolle, bei der sich die Beschuldigten ausziehen und einige Male in die Knie gehen mussten. Bereits am ersten Tag des Prozesses haben sich die Angeklagten über diese "Nacktdurchsuchung" beschwert.
"Da das mit der Kontrolle beauftragte Team nicht bereit war, bat ich die betreffende Person, sich mit dem Gesicht zur Wand zu stellen und geradeaus zu schauen. Er sagte: 'Ich schaue, wo ich will'." Der Polizist sagt, er habe El Haddad Asufi höflich gebeten, der Aufforderung zu befolgen, doch dieser habe sich geweigert. (…) Plötzlich drehte er sich um, kam auf mich zu und stand Nase an Nase mit mir", schildert der Polizist die Situation. Da er die Haltung als bedrohlich empfand, packte er Haddad El Asufi am Arm und stieß ihn mit dem Gesicht gegen die Wand. Ohne Gewalt, sagt er, aber mit Nachdruck.
In der Zwischenzeit war das Team zur Nacktdurchsuchung von Ali El Haddad Asufi bereit, aber der Beschuldigte leistete Widerstand. “Meiner Meinung nach hat er alles getan, um zu vermeiden, vor Gericht gestellt zu werden, oder um mit Spuren von Gewalt dorthin zu gelangen”, heißt es im Polizeibericht.
Der Polizeibeamte gab an, dass El Haddad Asufi weniger als fünf Sekunden später die Augen wieder öffnete und fragte, wo er sei. Danach sollen die mit der Durchsuchung beauftragten Polizisten eine halbe Stunde lang mit ihm verhandelt haben, während er auf dem Boden saß und sich weigerte, aufzustehen. Nach Angaben des Polizisten sagte er: "’Sie haben mich erwürgt. Ich will überall blaue Flecken haben’. Ich habe ihm geantwortet, dass wir nicht da sind, um Schläge zu verteilen, sondern um ihn zu bewachen.”
El Haddad Asufi (untere Reihe, links) wird mit einer kugelsicheren Weste ausgestattet. Daraufhin lässt er sich wieder fallen, sagte der Polizeibeamte aus. Mit großer Mühe wird er wieder hochgezogen und zu dem Auto gebracht, das ihn und die anderen zum Prozess bringen sollte. "Vor dem Wagen fiel er wieder zu Boden. Das Team, das für den Transport zuständig war, schob ihn nach vorne und legte ihn in den Wagen." Der Polizeibeamte beteuert: "Er wurde zu keinem Zeitpunkt geschlagen. Meiner Meinung nach hat er alles getan, um nicht vor das Gericht gebracht zu werden oder dort mit Spuren von Gewalt anzukommen."
Diese Aussage und das Verhör des Beschuldigten werden von der Brüsseler Staatsanwaltschaft untersucht. Die anwesenden Gefängniswärter werden ebenfalls befragt und etwaige Bilder von dem Vorfall werden geprüft. In der Zwischenzeit gibt die Staatsanwaltschaft keinen Kommentar.

