Die Unternehmens- und Geschäftswelt in der Provinz Westflandern fordert, dass die Ventilus-Hochspannungslinie überirdisch angelegt wird. In einem Schreiben an die flämische Landesregierung rufen die Unternehmerverbände Agoria, Comeos und VOKA dazu auf, das entsprechende Dossier zu beschleunigen: "Wird Ventilus unterirdisch gebaut, dann verlieren unsere Unternehmen gleich zweimal."
Ventilus: Westflanderns Unternehmer fordern eine überirdische Hochspannungslinie
Ventilus wird das Projekt für den Bau einer Hochspannungslinie genannt, die Elektrizität, die mit den Offshore-Windkraftanlagen in der Nordsee produziert wird, ins Inland befördern soll. Diese Stromlinie verläuft über 82 Kilometer von Zeebrügge aus nach Avelgem in Westflandern, wo es Abzweige ins Hinterland geben wird. Zwischen Brügge und Kortrijk soll sie entlang der Autobahn E403 laufen.
Doch das Projekt ist umstritten. Zum einen gibt es Widerstand gegen diese Hochspannungslinie, denn Anwohner befürchten gesundheitliche Probleme durch eventuelle elektromagnetische Strahlungen und zum anderen wird noch darüber diskutiert, ob diese Leitung unterirdisch oder über Hochspannungsmasten oberirdisch verlaufen soll. Die Leitung unterirdisch verlaufen zu lassen, wäre rund viermal teurer, als sie überirdisch anzulegen.
Die westflämischen Unternehmerverbände fordern in einem gemeinsamen Schreiben an die flämische Landesregierung, dass Ventilus überirdisch verlaufen soll: "Dies ist die realistischere und bezahlbarste Variante." Sie verlangen aber auch, dass Anwohner, Unternehmer und Landwirte, die Nachteile dadurch erleiden, entsprechend kompensiert werden sollen.
Es ist auch wichtig zu wissen, in welchem Maße Bürger aber auch Unternehmen umziehen können und ob es einen zusätzlichen Impuls geben kann, wie z.B. eine Art Regionalfonds.“
Flanderns Unternehmer-Netzwerk VOKA
Bei VOKA, dem flämischen Unternehmernetzwerk, heißt es weiter dazu: "Es ist auch wichtig zu wissen, in welchem Maße Bürger aber auch Unternehmen umziehen können und ob es einen zusätzlichen Impuls geben kann, wie z.B. eine Art Regionalfonds."
Die Unternehmer befürchten zudem, dass sie, wenn die Hochspannungslinie nicht schnell gebaut wird, Nachteile erleiden: "Wird Ventilus nicht oberirdisch gebaut, dann verlieren unsere Unternehmen gleich zweimal. Nicht nur, dass die Stromrechnungen teurer werden, weil die Infrastruktur für eine unterirdische Verlegung mehr kostet, sondern auch, weil wir Investierungen und Jobs verlieren."
Flanderns Umwelt- und Energieministerin Zuhal Demir (N-VA) muss noch vor der politischen Sommerpause entscheiden, ob Ventilus unterirdisch oder oberirdisch gebaut werden soll. Inzwischen ist aber auch der von der Landesregierung bestellte Raumordnungsplaner der Ansicht, eine oberirdische Variante sei die bessere Wahl. Innerhalb der Regierungskoalition aber gibt es da unterschiedliche Sichtweisen.
Inzwischen regt sich auch Widerstand gegen Ventilus in der wallonischen Provinz Hennegau. Die dort "Boucle du Hainaut" genannte Stromleitung sorgt auch dort für Proteste. Die Bürgerinitiative "Revolht" will übrigens, dass die Stromleitung unterirdisch verlaufen soll, damit die Anwohner nicht unter möglichen elektromagnetischen Strahlen leiden müssen.

