Die vier Regierungschefs Belgiens, der Niederlande, Deutschlands und Dänemarks haben am Dienstag beim Windkraftgipfel der Nordsee-Anrainerstaaten in Dänemark ein Abkommen unterzeichnet (Video unten), nach dem die jeweiligen Offshore-Windkraftanlagen vernetzt werden sollen und nach dem sich die Kapazität der dort gewonnen Elektrizität bis 2050 verzehnfachen soll.
Belgien, die Niederlande, Deutschland und Dänemark wollen mehr Windenergie in der Nordsee produzieren
Bis 2025 sollen die Windkraftanlagen in der Nordsee so viel Strom produzieren, wie 75 herkömmliche Kernkraftwerke. Die Intensionen sind also nicht gerade klein. In den vergangenen 30 Jahren bauten die vier Partnerländer hier Offshore-Windkraftanlagen, die zusammen etwa 15 Gigawatt an Strom liefern. Bis 2030 soll dies auf 65 Gigawatt erhöht werden, um bis 2050 150 Gigawatt erreichen zu können. Das ist das Zehnfache der aktuellen Produktionskapazität und wird Energie für 150 Millionen Haushalte liefern.
Am Mittwoch trafen sich Belgiens Premierminister Alexander De Croo (Open VLD), Deutschlands Bundeskanzler Olaf Scholz, der niederländische Regierungschef Mark Rutte und die dänische Premierministerin Mette Frederiksen im dänischen Esbjerg im Beisein von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zur Unterzeichnung des entsprechenden Abkommens.
„Wir brauchen dringend günstige Energie. Energie ohne CO₂-Ausstoß. Wir müssen und auch unabhängig von Gas und Öl aus Ländern wir Russland machen. Und mindestens genauso wichtig ist der Ausbau der Windkraft-Industrie“, sagte Belgiens Premier De Croo in Esbjerg. Ziel des Ganzen ist, die verschiedenen Windparks der vier beteiligten Länder miteinander zu vernetzen, um daraus ein großes Netzwerk zu machen.
Ein geplantes Stromkabel zwischen Belgien und Dänemark, für das sich auch Belgiens Energieministerin Tinne Van der Straeten (Groen) eingesetzt hat, soll dabei als Rückgrat fungieren (siehe nebenstehenden Beitrag). „Wir, mit unserer Küste, die nur knapp 70 Kilometer lang ist, stoßen bald an unsere Grenzen. Doch wenn wir Teil der Windparks werden können, die noch in der Nordsee gebaut werden sollen, dann hat man natürlich ein unwahrscheinlich großes Potential“, so Premier De Croo weiter. Für Belgien spielt dieses Abkommen also eine sehr wichtige Rolle.
(Lesen Sie bitte unter dem Video weiter)
Wie steht es um die Stromleitung in Richtung belgischen Inland?
Belgien plant mit der „Ventilus“ genannten Hochspannungsleitung einen Anschluss für Offshore-Strom ans belgische Inland, doch dazu gibt es Streit. Ein Teil dieser Leitung führt durch die Provinz Westflandern. Doch dort wollen Aktivisten und Bürgerinitiativen erreichen, dass die Stromkabel unterirdisch verlaufen, was die Baukosten erheblich verteuern würde und die Planung komplizierter gestaltet, wovor Experten warnen.
Premier De Croo zeigte sich in Esbjerg aber optimistisch und glaubt an eine Lösung für das Problem, mit der sich auch die betroffenen Anwohner und die Bürgerinitiativen anfreunden könnten. Eine andere Möglichkeit als diese Hochspannungsleitung sehe er nicht, so De Croo und diese habe heute mehr denn je eine gesellschaftliche Relevanz. In der Nordsee produzierter umweltfreundlicher und CO₂-freier Strom sorge nicht zuletzt auch für Energieunabhängigkeit und dieser Strom müsse an Land gebracht und in die Netze im Inland fließen können.


