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VRT NWS-Untersuchung: Das Aufladen eines Elektroautos kann in Belgien je nach Ladestation bis zu 160 % teurer sein

In Belgien können die Kosten für einen Ladevorgang - von 24 € in Hasselt bis zu 64 € in Zandhoven - um bis zu 160 % variieren, selbst wenn die Betreiber denselben Typ von Ladestation anbieten. Dies geht aus einer Analyse von Daten zu mehr als 25.000 Ladepunkten in Belgien hervor, die die Redaktion von VRT NWS durchführte. Preisunterschiede von mehreren Dutzend Euro für einen herkömmlichen Ladevorgang an vergleichbaren Stationen sind hierzulande keineswegs eine Ausnahme.

Luc Pauwels Andreas Kockartz
Veröffentlicht:

Ein Ladevorgang an einer öffentlichen Schnellladestation in der Nähe des Albertkanals in Zandhoven (in der Region Kempen bei Antwerpen) kostet 64,20 €. Für eine Reichweite von 1.000 Kilometern belaufen sich die Kosten somit auf über 200 €.

Etwas mehr als 60 Kilometer entfernt, in Hasselt in der Provinz Limburg kostet ein Ladevorgang an einer baugleichen Station lediglich 24 €. Das entspricht etwa 80 € für eine Strecke von 1.000 Kilometern. Das Aufladen in Zandhoven ist also glatt 160 % teurer als in Hasselt. Ähnlich niedrige Preise hat VRT NWS auch an einigen Ladestationen in Aalst in Ostflandern festgestellt.

Unterschiede von mehreren Dutzend Euro bei "normalen" Ladevorgängen

Dies ist nur eine von vielen überraschenden Erkenntnissen, die sich aus den Daten der Plattform Chargemap ergeben. Die Plattform bietet eine interaktive Karte, auf der mehr als eine Million Ladestationen in ganz Europa verzeichnet sind. VRT NWS hat über 25.000 Ladestationen in Belgien – von langsamen Ladepunkten bis hin zu Ultraschnellladestationen – ausgewählt und die Tarife der jeweiligen Kategorien miteinander verglichen.

Das Ergebnis ist eindeutig: Die Ladestation in Zandhoven ist keineswegs ein Einzelfall. Auch bei anderen Arten von Ladestationen sind die Preisunterschiede zwischen den günstigsten und den teuersten Anbietern beträchtlich.

Bis zu 25 % Preisunterschied bei Ladestationen, die nur 100 Meter voneinander entfernt sind“

Luc Pauwels, Energieexperte bei VRT NWS

Diese Zahlen sind jedoch theoretischer Natur. In der Realität kann es anders aussehen. Chargemap – wie auch andere Ladeplattformen – weist zudem darauf hin, dass sich die Tarife an den Ladestationen ständig ändern. VRT NWS-Energieexperte Luc Pauwels hatte daher beschlossen, die Ladestation in Zandhoven selbst zu testen. Beim Aufladen eines VRT-Elektroautos erschien tatsächlich ein Betrag von über 60 € auf dem Display.

Anschließend wurden die Tarife an weiteren Ladestationen untersucht und dabei wurden teilweise überraschende Unterschiede festgestellt. Es ist im Vorfeld kaum zu sagen, wie viel ein Ladevorgang an einer bestimmten Station exakt kosten wird. Eines ist jedoch klar: Die Preisunterschiede können erheblich sein.

Diese Differenzen lassen sich nicht allein durch den Strompreis erklären. Es kommen noch weitere - teils versteckte - Kosten hinzu, etwa Transaktionsgebühren oder Kosten für die Nutzung der Ladestation selbst.

Kaum Regulierung bei Preisen und deren Auszeichnung

In Belgien unterliegen die Preise für Benzin und Diesel einer Obergrenze. Für Ladestationen gilt dies nicht. Die Zahlen belegen dies: Unter den 25.000 untersuchten Ladestationen reichen die Tarife von 22 Cent bis zu mehr als 1,30 € pro Kilowattstunde. Der teuerste Strom kostet also gut sechsmal so viel wie der günstigste.

Im April 2024 ist eine europäische Regelung, die AFIR-Verordnung, in Kraft getreten. Sie verpflichtet Betreiber öffentlich zugänglicher Ladestationen dazu, angemessene, transparente und vergleichbare Tarife anzubieten. Eine konkrete Preisobergrenze legt sie jedoch nicht fest. Auch die Ladeleistung der Stationen erklärt die Preisunterschiede nicht. Manche Ladestationen mit geringer Ladeleistung verlangen höhere Strompreise als Schnell- oder gar Ultraschnellladestationen.

Es gibt jedoch auch sehr günstige Ladestationen. Dies ist beispielsweise bei einigen Unternehmen der Fall, die ihre Ladestationen ihren Mitarbeitern kostenlos zur Verfügung stellen und sie außerhalb der Bürozeiten sowie an Wochenenden zu einem reduzierten Tarif auch der Öffentlichkeit zugänglich machen.

Schnell-Ladestation bei Mechelen (Provinz Antwerpen)

Bedarf an Transparenz und Regulierung

Ein weiterer gravierender Mangel im Bereich der Elektromobilitätsinfrastruktur besteht darin, dass die geltenden Tarife an den Ladestationen oft nicht ohne Weiteres ersichtlich sind. Im Gegensatz zu Tankstellen, an denen der Preis pro Liter Benzin oder Diesel schon von weitem zu erkennen ist, zeigen Ladestationen ihre Tarife nur selten oder gar nicht an. Dies liegt unter anderem daran, dass sich die Preise ständig ändern können.

Die eher vagen Empfehlungen der Europäischen Kommission tragen ebenfalls nicht zur Klärung bei. Sie vertritt die Auffassung, dass die Angemessenheit eines Tarifs jeweils im Einzelfall beurteilt werden sollte - unter Berücksichtigung der anfallenden Kosten sowie einer angemessenen Gewinnspanne.

Der Sektor der Ladestationen hat also noch Nachholbedarf, was Transparenz und die Nutzerfreundlichkeit für Verbraucher betrifft. Belgiens Verbraucherschutzminister Rob Beenders (Vooruit, flämische Sozialisten) will, dass die Regeln zum Aufladen von E-Autos auf EU-Ebene verschärft werden. „Das geht auch besser“, so Beenders gegenüber VRT NWS in einer ersten Reaktion auf die Untersuchung. 

Belgiens Verbraucherschutzminister Rob Beenders: "Das geht auch besser" (Archivfoto)

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