Die Kaserne Dossin in Mechelen (Provinz Antwerpen) eröffnete an diesem Freitag, (30. Oktober 2026), zwei neue Erinnerungsprojekte: Das Audio-Denkmal „Elke naam telt“ („Jeder Name zählt“) und die Fotoausstellung „Reflecties“ („Reflektionen“) in Zusammenarbeit mit der flämischen Fotografin Lieve Blancquaert. Beide Projekte erinnern an die Menschen hinter den Namen der Juden, Roma und Sinti, die während des Zweiten Weltkriegs von der Dossin-Kaserne aus in die Konzentrationslager des Nazis deportiert wurden.
Holocaust-Gedenkstätte Kaserne Dossin: „Jeder Name zählt“ und Fotoausstellung
Mit „Elke naam telt“ möchte die Kaserne Dossin ein persönliches Gedenken an die 25.843 Juden, Roma und Sinti schaffen, über die Dossin-Kaserne in die Vernichtungslager des Dritten Reichs deportiert wurden. Jeder Name wurde von einer individuellen Stimme eingesprochen – darunter auch zahlreiche Persönlichkeiten aus Kultur und Gesellschaft.
Die Zuordnung der Sprecher zu den Deportierten erfolgte anhand von Kriterien wie Alter, Geburtsdatum, Name oder familiären Bindungen, teilweise aber auch zufällig.
Das Audiodenkmal umfasst über 50 Stunden an Aufnahmen und kann ab jetzt dauerhaft im Zakhor-Raum der Gedenkstätte gegenüber dem Museum angehört werden. Das Projekt hat zum Ziel, den Menschen, denen ihre Namen während der Verfolgung genommen wurden, ihre Namen zurückzugeben.
Lieve Blancquaert bringt Gesichter und Geschichten zusammen
Für die Ausstellung „Reflecties“ tauchte die Fotografin Lieve Blancquaert in die Archive der Kaserne Dossin ein. Dort entdeckte sie Fotos und Geschichten von Deportierten und wollte vor allem zeigen, wer diese Menschen waren, bevor ihr Leben durch den Holocaust zerstört wurde.
„Mir eröffnete sich eine völlig neue Welt, als ich in die Archive der Kaserne Dossin eintauchte. Wenn man hinter die Zahlen blickt und die Gesichter und Geschichten betrachtet, entdeckt man, wer diese Menschen wirklich waren. Das ist vielleicht sogar noch bewegender als der Schrecken selbst. In der Ausstellung zeigen wir das Glück, die Verbundenheit und die Liebe zwischen den Menschen, bevor ihr Leben zerstört wurde“, so die Fotografin.
Blancquaert fotografierte und interviewte Dutzende von Teilnehmenden, die einen der Namen aufgenommen hatten. Ihre Fotos werden neben Archivfotos und Geschichten der Deportierten ausgestellt. Dadurch entstanden unter anderem Doppelporträts, die die Verbindung zwischen Menschen verschiedener Generationen sichtbar machen.
Kazerne Dossin, Goswin De Stassartstraat 153, 2800 Mechelen. Info: kazernedossin.eu/