Nach den ersten neun Monaten des Jahres zeigt sich für Europas zweigrößten Hafen ein gemischtes Bild: Die fossilen Importe aus den USA und Nahost brechen ein, Autos aus China fluten den Markt. Es bleibt eine verhaltene Bilanz – trotz wachsenden Containerumschlags. In Antwerpen wurden im dritten Quartal rund 11 % mehr Leercontainer umgeschlagen als 2025.
Der Fusionshafen Antwerpen-Zeebrügge meldet ein Rekordquartal
Der Hafen Antwerpen-Zeebrügge hat seine Umschlagzahlen für das dritte Quartal vorgelegt. Wie der Hafenbetreiber mitteilte wurden in den ersten neun Monaten des Jahres 200,9 Millionen Tonnen Fracht umgeschlagen. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Rückgang um 0,8 %, wie die Deutsche Verkehrs-Zeitung (DVZ) und die Antwerpener Hafenverwaltung vor einigen Tagen melden.
Für den Containerumschlag meldet Antwerpen im gleichen Zeitraum ein Rekordquartal – der höchste Umschlag seit Oktober 2020. Verglichen mit dem Vorjahr stieg der Umschlag um 1,2 % auf 10,4 Millionen TEU. Getrieben wurde das Wachstum durch Leercontainer. 11,2 % leere Container mehr als im vergangenen Jahr wurden bis Oktober 2026 befördert. Der Umschlag beladener Container schrumpfte um 1,3 %. Die Containertonnage ging um 0,6 % auf 112,8 Millionen Tonnen zurück.
Antwerpen hält seine Marktposition
Nahezu unverändert bei 29 % blieb der Marktanteil des Fusionshafens Antwerpen-Zeebrügge in der sogenannten „Nordrange“ zwischen Le Havre und Hamburg. Steigende Importe und „ein unter Druck stehender Export verstärken das Ungleichgewicht und die Notwendigkeit, leere Schiffscontainer umzulagern, insbesondere in Richtung Asien“, so der Hafenbetreiber.
Hafenchef Rob Smeets sagte zu den Zahlen: „Die starke Erholung des Containerumschlags im dritten Quartal zeigt die Widerstandsfähigkeit des Port of Antwerp-Bruges. Gleichzeitig bleibt das Umfeld weiterhin herausfordernd. Handelsbarrieren, hohe Energiepreise und eine schwache europäische Industrie setzen verschiedene Warenströme unter Druck.“
Die USA drosseln ihre Exporte massiv
Im Bereich flüssige Massengüter ging der Umschlag zurück. Aus dem Nahen Osten kamen deutlich weniger Mineralölprodukte, LNG und Chemikalien. So bleibt ein Minus von 3,4 % nach den ersten neun Monaten. Der Umschlag mit Diesel (- 28,8 %), Kerosin (- 39,9 %) und LPG (- 23 %) fiel deutlich, Heizöl und Naphtha legten zu. In Zeebrügge wurden im dritten Quartal sogar 52 % weniger LNG angeliefert als noch im Vorjahr. Die USA drosselten ihre LNG-Exporte nach Belgien massiv, hier bleibt ein Minus von 79,2 %.
Der Umschlag mit trockenem Massengut hingegen stieg während der ersten neun Monate um 13 %, im dritten Quartal gar um 35 %. Auch hier trieb der Import die Mengen.
Binnenschifffahrt bricht ein
Bedingt durch extreme Dürre in Europa ging auch der Verkehr mit Binnenschiffen zurück, und zwar um 60 bis 70 %, wie aus der Hafenverwaltung des Fusionshafens verlautete. Die Gesamtmengen sind im Vergleich mit 2025 jedoch stabil geblieben.