In den vergangenen vier Jahren wurden in Flandern mindestens 30.767 Wildtiere überfahren. Das geht aus dem Abschlussbericht des Bürgerforschungsprojekts Dieren onder de Wielen von Natuurpunt hervor. Zu den häufigsten Opfern gehören die Erdkröte, der Igel und der Steinmarder.
Mindestens 30.000 Tiere in vier Jahren auf Flanderns Straßen überfahren
Mit Abstand am häufigsten wurde die Erdkröte (Bufo bufo) als Verkehrsopfer gemeldet. Laut Sanne Ruyts, Säugetierexpertin bei Natuurpunt, hängt dies eng mit dem natürlichen Verhalten der Tiere zusammen:
„Im Frühjahr wandern Kröten in großer Zahl zu ihren Laichgewässern. Da dies innerhalb kurzer Zeit geschieht, werden besonders viele Tiere überfahren. Hinzu kommt, dass Kröten meist nachts unterwegs sind, sich langsam bewegen und wegen ihrer geringen Größe von Autofahrern leicht übersehen werden."
Nach der Erdkröte folgen Igel (3.224 Meldungen) und Steinmarder (2.105 Meldungen).
Besonders besorgniserregend ist laut Natuurpunt der Rückgang der Igelpopulation: „Dass heute weniger Igel als früher überfahren werden, ist leider kein gutes Zeichen. Es gibt schlicht weniger Igel als noch vor zehn Jahren.“
Die Datenerhebung
Zwischen Juni 2022 und Ende 2025 wurden insgesamt 26.797 Beobachtungen erfasst. Mehr als 3.200 Freiwillige meldeten dabei Verkehrsopfer von 393 Tierarten über die Plattform waarnemingen.be und verschiedene Smartphone-Apps.
Die meisten Meldungen in Antwerpen
Die Provinz Antwerpen verzeichnete die höchste Zahl gemeldeter Verkehrsopfer mit einem Anteil von 31 Prozent (9.416 Meldungen), gefolgt von Flämisch-Brabant (21 Prozent), Ostflandern (19 Prozent) und Limburg (18 Prozent). In der Provinz Westflandern liegen die Meldungen verunglückter Wildtiere bei 11 Prozent.
Nach Angaben von Natuurpunt erklären sich die Unterschiede vor allem durch die Zahl aktiver Freiwilliger sowie durch stark befahrene Straßen, die Schutzgebiete durchqueren. In Westflandern wurden zwar insgesamt weniger Tiere gemeldet, dafür jedoch überdurchschnittlich viele Vögel, insbesondere Silbermöwen und Turmfalken.
Schlimmster Hotspot: Kalmthoutse Heide
Der kritischste Abschnitt befindet sich in der Kalmthoutse Heide in der Provinz Antwerpen. Zwischen 2015 und 2025 wurden dort 588 überfahrene Tiere aus 52 verschiedenen Arten registriert. Darunter befanden sich auch streng geschützte Arten wie Heidefrosch, Kreuzkröte, Schlingnatter, Teichfrosch und Zwergfledermaus.
Weitere problematische Bereiche liegen beispielsweise rund um die Doelpolder in Ostflandern, wo Hafenstraßen Naturgebiete zerschneiden.
Natuurpunt hat seine Liste der Gefahrenstellen der flämischen Regierung übergeben. Mögliche Schutzmaßnahmen sind Wildtierunterführungen, Amphibienschutzzäune, Grünbrücken (Ökodukte) und lokale Freiwilligenaktionen während der Krötenwanderung. Als Beispiel nennt die Organisation das Ökodukt von Kikbeek über die E314 in Maasmechelen, das zwei Teile des Nationalparks Hoge Kempen miteinander verbindet.
Projekt endet nach 17 Jahren
Das Projekt Dieren onder de Wielen lief von 2008 bis 2025 und wird nicht weiter finanziert. Die Datenerfassung soll künftig dennoch über die Plattform waarnemingen.be fortgesetzt werden.
