Die Stadt Hasselt und die dortige UCLL Universität für angewandte Wissenschaften haben den Zuschlag für ein EU-Projekt bekommen, bei dem 1.200 junge Menschen drei Jahre lang begleitet werden. Konkret untersucht das Projekt, wie junge Menschen zwischen 15 und 29 Jahren Einfluss auf politische Entscheidungen nehmen können. Das Projekt wird mit 4,3 Lio. € EU-Fördergeldern unterstützt, wovon über 1,25 Mio. € an die UCLL und die Stadt Hasselt gehen.
Hasselt und UCLL sichern sich ein bedeutendes EU-Projekt: 1.200 junge Menschen diskutieren drei Jahre lang über Demokratie und Politik
Viele junge Menschen fühlen sich heute bei gesellschaftlichen und politischen Entscheidungsprozessen nicht ausreichend gehört. Mit dem Projekt CITADEL wollen die Partner dieses Projekts jungen Menschen zwischen 15 und 29 Jahren eine aktive Rolle bei der Entwicklung, Erprobung und Verbesserung von Politik ermöglichen.
Policy Labs sind ein zentraler Bestandteil des Projekts. In diesen Labs arbeiten junge Menschen mit politischen Entscheidungsträgern, Jugendarbeitern und Fachkräften aus dem Bildungsbereich zu Themen wie Klima, Lebensumwelt und anderen lokalen Herausforderungen zusammen.
„Allzu oft werden junge Menschen erst dann konsultiert, wenn Entscheidungen bereits gefallen sind“, sagt Ann Reulens, Projektkoordinatorin an der UCLL: „Wir bei CITADEL gehen von einer anderen Prämisse aus: Junge Menschen sind nicht nur die Bürger von morgen, sondern auch die von heute. Wir möchten sie in die Entwicklung von Lösungen und politischen Strategien einbeziehen.“
Hasselt als Testfeld
Zwölf Partner aus fünf europäischen Ländern arbeiten zusammen. Dazu gehören Städte, zivilgesellschaftliche Organisationen und Forschungseinrichtungen. Hasselt, die Hauptstadt der flämischen Provinz Limburg, wird zu einem der europäischen Testfelder, in denen neue Formen der Bürgerbeteiligung entwickelt und erprobt werden.
Die ersten Policy Labs starten im September des nächsten Jahres. Die jungen Menschen werden dann gemeinsam mit Experten und politischen Entscheidungsträgern konkrete politische Vorschläge erarbeiten. „In Hasselt unternehmen wir bereits große Anstrengungen, Kinder und Jugendliche einzubinden“, sagt Dries Martens (Vooruit, flämische Sozialisten), Stadtrat für Jugend und Bürgerbeteiligung: „Gleichzeitig sehe ich noch einige Herausforderungen darin, ihr Engagement und ihre Motivation aufrechtzuerhalten.“
Bei den letzten Wahlen haben deutlich weniger junge Leute gewählt“
Hasselts Stadtrat für Jugend und Bürgerbeteiligung Dries Martens
„Bei der letzten Wahl haben wir festgestellt, dass deutlich weniger junge Leute gewählt haben. Und das, obwohl sie natürlich am längsten in unserer Stadt leben werden. Deshalb wollen wir in Hasselt weiterhin innovative Wege gehen und experimentieren. Mit dieser Initiative hoffen wir, nicht nur unsere eigenen Jugendlichen, sondern auch andere Städte und Bildungseinrichtungen zu inspirieren. So bauen wir gemeinsam eine starke Demokratie auf, in der sich jeder junge Mensch gehört und einbezogen fühlt.“
Die Partner müssen noch die praktische Umsetzung festlegen. „Wir könnten zum Beispiel eine Klasse mit 30 Schülerinnen und Schülern bitten, ein bestimmtes Thema zu diskutieren und gemeinsam einen Kompromiss zu erarbeiten“, so Martens: „Zum Beispiel: Sollten Smartphones in der Schule verboten werden? Ich denke, darüber könnten sie eine sehr interessante Debatte führen.“
„Vielleicht findet sich auch eine Gruppe, die einen Kompromiss für die Umsetzung erarbeiten kann, indem wir sie dazu anregen, über Themen nachzudenken, die ihnen ohnehin wichtig sind.“
Neue Schulungsmethoden und ein Online-Wissensportal
Es geht aber nicht nur um Gespräche und Debatten: Das Projekt zielt darauf ab, ein europaweit anwendbares Modell zu entwickeln. In diesem Rahmen werden neue Schulungsmodule für Lehrkräfte entwickelt, ein Online-Wissensportal zu Bürgerschaft und Teilhabe eingeführt und jungen Menschen die Möglichkeit zur internationalen Zusammenarbeit mit Gleichaltrigen aus anderen europäischen Ländern geboten.
„Staatsbürgerkunde geht über das hinaus, was junge Menschen in der Schule lernen“, so Projektkoordinatorin Ann Reulens: „Demokratie lernt man nicht aus Büchern. Mit CITADEL zeigen wir jungen Menschen, wie sie Demokratie in ihrem Alltag erleben, praktizieren und stärken können.“
„Dies ist eine einzigartige Gelegenheit, gemeinsam mit jungen Menschen die Grundlagen für eine stärkere demokratische Kultur zu legen“, ergänzt Imran Uddin, seit dem 1. Dezember Generaldirektor der UCLL: „Demokratie ist harte Arbeit und erfordert mehr als nur alle paar Jahre eine Stimme abzugeben. Sie braucht Dialog, Zusammenarbeit und Engagement. Mit CITADEL wollen wir jungen Menschen zeigen, wie sie die Gesellschaft von morgen schon heute mitgestalten können.“
Das Projekt, das im Frühjahr 2027 startet und bis 2029 läuft, wird von der UCLL koordiniert. Die Partner kommen aus Belgien, Zypern, Rumänien, Lettland, Ungarn und Deutschland.