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Vor 30 Jahren: Der „Weiße Marsch“ nach Verbrechen, die ganz Belgien erschütterten

„Weiß soll unsere Farbe sein - das Symbol für unsere verletzten und ermordeten Kinder, für die verratene Unschuld, aber auch für Gewaltfreiheit.“ So hieß es in einer Pressemitteilung, die vor 30 Jahren im Vorfeld des „Weißen Marsches“ in Brüssel veröffentlicht wurde. Am 20. Oktober 1996 gingen mehr als 300.000 Belgierinnen und Belgier auf die Straßen der Hauptstadt  ausgelöst durch die Enthüllungen im Fall des Kinderschänders und -mörders Marc Dutroux.

Andreas Kockartz
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Mitte August 1996 waren zwei von der Bande um Marc Dutroux entführte Mädchen, Laetitia Delhez und Sabine Dardenne, in letzter Sekunde lebend aus dem Keller von Dutrouxs Wohnhaus in Marcinelle bei Charleroi gerettet worden. Kurz darauf wurde das schreckliche Ausmaß seiner Verbrechen bekannt: Dutroux war auch für die Entführung vier weiterer Mädchen sowie für den Tod seines Komplizen Bernard Weinstein verantwortlich. Julie Lejeune, Mélissa Russo, An Marchal und Eefje Lambrecks wurden tot aufgefunden.

Der Marsch, der am Sonntag, dem 20. Oktober 1996, um 14 Uhr am Brüsseler Nordbahnhof begann, wurde auf Initiative von Marie-Noëlle Bouzet organisiert, der Mutter der vermissten Elisabeth Brichet. In einem Interview am 20. September hatte sie zu einer Großdemonstration in Brüssel aufgerufen.

„Spaghetti-Urteil“

Auch wenn es nicht explizit so formuliert wurde, ging es darum, der Öffentlichkeit die Möglichkeit zu geben, ihrem Zorn und ihrer Frustration über das umstrittene „Spaghetti-Urteil“ Luft zu machen, das der Kassationsgerichtshof in der Woche zuvor gefällt hatte. Durch diesen Beschluss wurde der Untersuchungsrichter Jean-Marc Connerotte vom Fall Dutroux abgezogen.

Begründet wurde dies mit dem Anschein von Befangenheit: Connerotte hatte an einer Spendenveranstaltung, ein Spaghetti-Essen, der gemeinnützigen Organisation „Marc et Corinne“ teilgenommen – einer Veranstaltung, bei der auch Eltern vermisster Kinder anwesend waren.

„Keine Transparente, keine politischen Parolen“

„Wir möchten, dass dieser Marsch ohne Transparente und ohne politische Parolen stattfindet. Weiß soll unsere Farbe sein – ein Symbol für unsere verletzten und ermordeten Kinder, für die verratene Unschuld, aber auch für Gewaltlosigkeit. Schließen Sie sich uns an und bringen Sie als Erkennungszeichen eine weiße Blume oder einen weißen Luftballon mit. Wir möchten, dass dieser Marsch eine friedliche Demonstration der Menschen ist, im Geiste unserer Solidarität mit allen Kindern“, schrieben die Organisatoren: Marie-Noëlle Bouzet, Carine und Gino Russo, Louisa und Jean-Denis Lejeune, Paul und Betty Marchal sowie die Familie von Loubna Benaïssa.

„Child Focus“ und „Oktopus-Abkommen“

Die Botschaft der Hunderttausenden Menschen, die auf die Straße gingen, konnte nicht ignoriert werden. „Child Focus“ – die Stiftung für vermisste und sexuell ausgebeutete Kinder – entstand unmittelbar aus dem öffentlichen Unmut über das Versagen der Ermittlungsbehörden und des Justizsystems im Fall Dutroux.

Das sogenannte „Oktopus-Abkommen“ führte zu einer Polizeireform und zur Schaffung einer zweistufigen, integrierten Polizeistruktur. Zudem wurde ein Strafvollstreckungsgericht eingerichtet, das Anträge auf vorzeitige Haftentlassung prüft. Darüber hinaus wurde ein Hoher Justizrat ins Leben gerufen.

Zahllose Menschen in der Brüsseler Innenstadt

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