Einer der Verdächtigen im Mordfall des Polizisten Nordine El Talbi, die in den letzten Tagen im In- und Ausland festgenommen wurden, behauptet, selbst Opfer zu sein. „Er wurde von vier anderen entführt und war Zeuge der Schießerei“, so sein Anwalt. Dieser beantragt daher seine Freilassung. Doch die Ratskammer entschied am Dienstag, dass die U-Haft für die beiden in Belgien verhafteten Verdächtigen um mindestens einen Monat verlängert wird.
Verdächtiger im Mordfall des Polizisten Nordine El Talbi behauptet, selbst Opfer zu sein: „Er wurde entführt“
In der vergangenen Woche wurden in Spanien, Frankreich und in Belgien 6 Verdächtige festgenommen, die möglicherweise in den Tod von Nordine El Talbi verwickelt sind. El Talbi wurde letzte Woche bei einem Einsatz der Anti-Raub-Brigade (AOB) in der Brüsseler Gemeinde Jette erschossen.
Die beiden in Belgien festgenommenen Verdächtigen sind am Montag vor der Anklagekammer in Brüssel erschienen, die über ihre weitere Untersuchungshaft entscheiden muss. Einer von ihnen wohnt in der Straße, in der der tödliche Schuss fiel. Der Vater des Mannes sagte letzte Woche in verschiedenen Medien aus und beteuert die Unschuld seines Sohnes.
Der Anwalt des Verdächtigen lehnte nach der Anhörung vor der Anklagekammer eine Stellungnahme ab.
Zeuge?
Der zweite Verdächtige behauptet, ein Opfer der Täter zu sein. „Er saß in dem Auto, das in Tubize geraubt wurde“, sagt seine Anwältin Sophia Robillard: „Er wurde entführt und geschlagen. Die Prellungen sprechen für sich.“
Laut seiner Anwältin war der Mann lediglich Zeuge der tödlichen Schießerei. Die Verteidigerin kritisierte zudem die Art und Weise, wie der gesamte Fall unter Ausschluss der Öffentlichkeit untersucht wird: „Der Untersuchungsrichter arbeitet rund um die Uhr an diesem Fall, aber die Informationen fließen nur an die Staatsanwaltschaft und nicht an uns, was den Rechten der Verteidigung völlig widerspricht. Wir fordern alle Richter in diesem Fall auf, Verantwortung zu übernehmen und unseren Mandanten freizulassen.“
Die Ratskammer musste am Dienstag entscheiden, ob die beiden Verdächtigen in Untersuchungshaft bleiben. Es wurde dort beschlossen, dass die beiden Verdächtigen mindestens einen weiteren Monat in U-Haft bleiben müssen. Ihre Anwälte können gegen die Entscheidung noch Berufung einlegen.
Die vier übrigen Verdächtigen, die in Frankreich und Spanien festgenommen wurden, werden noch nicht an die belgische Justiz ausgeliefert. Es handelt sich um 3 Erwachsene und einen Minderjährigen.

