In der Gemeinde Maaseik sin im Stadtgebiet und in den Ortsteilen Neeroeteren und Opoeteren am Dienstag 28 Stolpersteine verlegt worden. Die kleinen Gedenksteine erinnern an Einwohner, die während des Zweiten Weltkriegs verfolgt, deportiert oder ermordet wurden. Die Steine wurden an 17 Orten ins Pflaster in die Bürgersteige eingearbeitet, jeweils dort, wo die Opfer zuletzt lebten, wohnten, arbeiteten oder studierten.
Ronny Witting vom örtlichen Geschichtsverein trug zu den Geschichten hinter den Steinen bei. Die jüdische Familie Gerson-Kaufmann lebte in Neeroeteren: Vater, Mutter, zwei Töchter und ein Sohn. „Am 6. Oktober 1942 wurden alle fünf verhaftet und nach Breendonk gebracht. Am 12. Oktober kamen sie in Auschwitz an, wo sie ermordet wurden. Cousin René Kaufmann erzählte, dass bei ihrer Ankunft eine Blaskapelle spielte, während die Menschen in die Gaskammern geführt wurden.“
Die KZ-Sammelstelle Breendonck gehörte ursprünglich zum Fort Breendonk, das wiederum Teil des historischen Festungsrings um Antwerpen war.
Die Familie von Louis Lemmens, der von den Deutschen in erschossen wurde, erhält ebenfalls einen Gedenkstein. „Sein Sohn Jaak ist 92 Jahre alt und fand seinen Vater damals tot auf der Wiese“, erzählt Ronny: „Das ist herzzerreißend. Für diese Menschen läuft der Film rückwärts ab. Sie sind dankbar, dass es jetzt eine dauerhafte Erinnerung an die damaligen Ereignisse gibt.“
Zeremonie
An diesem Dienstag fanden an 17 Orten in Maaseik etwa 20-minütige Gedenkzeremonien statt. Ein Angehöriger oder eine andere beteiligte Person erzählte dabei die Lebensgeschichte des Opfers. Anschließend wurde der Gedenkstein eingebracht und die Stadt legte eine weiße Rose an den Stolperstein.
Was sind Stolpersteine?
Die Stolpersteine sind ein Projekt des deutschen Künstlers Gunter Demnig. Er legt Gedenksteine in Gehwege für alle Todesopfer des Nationalsozialismus. Das Projekt begann 1992 in Deutschland und seitdem wurden in ganz Europa solche Gedenksteine verlegt.
Internationaler Moment des Gedenkens
Der Künstler und Initiator des Projekts, Gunther Demnig, war selbst bei den Zeremonien in Maaseik anwesend. Er legte selbst Stolpersteine in die Straßen. „Diese Menschen waren keine anonymen Opfer der Geschichte“, sagte der Bürgermeister von Maaseik, Gunter Haeldermans (CD&V, flämische Christdemokraten): „Sie waren Einwohner unserer Dörfer und Stadtteile, mit Familien, Freunden und Zukunftsplänen. Mit den Stolpersteinen bringen wir sie symbolisch nach Hause zurück. Wir zeigen, dass sie nicht vergessen sind und dass ihre Geschichte auch heute noch Bedeutung hat.“
