Die Polizei hat am Samstag in Brüssel und in Lüttich bei gewaltsamen Ausschreitungen insgesamt 195 Menschen festgenommen. Die Krawalle in Brüssel waren nach einer Demonstration von Schülern ausgebrochen. Die Demo richtete sich einmal mehr gegen die Sparmaßnahmen im frankophonen Bildungswesen, gegen die Polizei und gegen die aktuelle belgische Bundesregierung.
Krawalle in Brüssel und Lüttich nach neuen Schülerprotesten und die Reaktionen darauf
Bei 32 der 150 in der belgischen Hauptstadt festgenommen Randalierer liegt der Verdacht vor, dass sie sich Straftaten schuldig gemacht haben. 15 der Festgenommen sind Minderjährige, die einem Jugendrichter vorgeführt werden. Allen Festgenommenen werden unter anderem Angriffe auf Polizisten und vorsätzliche Brandstiftung vorgeworfen.
Die Randalierer hatten in der Brüsseler Innenstadt erhebliche Schäden angerichtet errichtet und u.a. Blockaden eingerichtet, worunter der Bus- und Tramverkehr zu leiden hatte.
Die Demonstranten zogen vom Zentralbahnhof in Richtung Bahnhof Süd/Midi, wo sich die Randalierer, die auch diese eigentlich friedliche Demonstration kaperten, ein weiteres Katz- und Mausspiel mit der Polizei lieferten. Fünf Polizisten wurden dabei leicht verletzt. Die Polizei sucht noch nach weiteren Verdächtigen.
Brüsseler Staatsanwaltschaft: 19 Verdächtige in Untersuchungshaft
Nach den Ausschreitungen bei den Demonstrationen am Samstag in Brüssel hat die Polizei 19 Verdächtige in Untersuchungshaft genommen. Dies gab die Staatsanwaltschaft bekannt. Dabei handelt es sich um Erwachsenen und um 8 Minderjährige, denen unter anderem Brandstiftung, bewaffneter Widerstand und Gewalt gegen Polizeibeamte vorgeworfen werden.
5 Verdächtige befinden sich weiterhin in Haft. 2 von ihnen werden inhaftiert und von zwei weiteren Verdächtigen gibt die Polizei keine Angaben. Eine fünfte Person steht weiterhin der Staatsanwaltschaft zur Verfügung.
Auch Krawalle in Lüttich
Bei der Schülerdemo am Samstag in Lüttich hat die Polizei 45 Menschen festgenommen. Darunter waren nach Polizeiangaben auch 12 Minderjährige. In 40 Fällen handelte es sich um vorläufige Festnahmen.
Die übrigen 5 Personen wurden festgenommen, weil sie im Verdacht stehen, Straftaten begangen zu haben. Die Polizei meldete außerdem Sachbeschädigungen und mehrere Feuer auf öffentlichen Straßen.
Politische Reaktionen
Belgiens Verteidigungsminister Theo Francken von den flämischen Nationaldemokraten N-VA und sein Kollege aus dem Innenministerium, der frankophone Liberale Bernard Quintin (MR) wollen nach den neuen schockierenden Bildern von den ausufernden Schülerdemos die Polizeiarbeit verstärken und reden von der Einführung einer „Gendarmerie 2.0“ nach dem Vorbild der belgischen Gendarmerie, wie es sie bis 2001 gab.
Damit zielen sie auf eine militärisch organisierte Polizeitruppe, die es konkret mit den Krawallmachern, die in den vergangenen Jahren praktisch jede Demonstration kapern, aufzunehmen. Das schließt auch die Randalierer ein, die jedes Jahr in Brüssel in der Neujahrsnacht die Polizei provozieren und auch die Hooligans bei Fußballspielen.
Innenminister Quintin sagte dazu gegenüber dem frankophonen Brüsseler Regionalsender BX1, dass er sich in Belgien keine Gewaltexzesse wie im Nachbarland Frankreich wünscht, wo Polizei und Politik am Wochenende zugegeben haben, dass sie der Lage dort nicht überall Herr werden konnten…
