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Der Standort von Covestro NV. im Antwerpener Hafen
Inland
Wirtschaft

Der deutsche Chemiekonzern Covestro plant den Abbau von 260 Stellen am Standort Antwerpen

Der deutsche Chemiekonzern Covestro will 309 der 976 Arbeitsplätze an seinem Standort in Antwerpen (Foto) streichen. Davon sind 260 Stellen von tatsächlicher Entlassung betroffen. Das Unternehmen beabsichtigt, den Standort aufgrund weltweiter Überkapazitäten neu zu strukturieren. Die Belegschaft wurde am Donnerstag darüber informiert.

Andreas Kockartz
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Die Covestro NV, die belgische Filiale des deutschen Chemiekonzerns, plant, ihre Polycarbonat-Produktion am Standort Antwerpen von vier auf eine Produktionslinie zu konzentrieren. Gleichzeitig soll die Herstellung des Vorprodukts Bisphenol A (BPA) dort eingestellt werden. Von der vorgesehenen Umstrukturierung könnten bis zu 300 der rund 970 Beschäftigten betroffen sein. Eine endgültige Entscheidung ist noch nicht gefallen. Für 260 der betroffenen Mitarbeiter wären von direkter Entlassung betroffen. Hoher Druck auf europäische Polycarbonat-Hersteller

Covestro begründet sein Vorhaben mit anhaltend schwierigen Marktbedingungen für Standard-Polycarbonate, wie verschiedene deutsche Fachmedien dazu schreiben. Hohe Produktions- und Energiekosten in Europa, eine schwache Nachfrage und zunehmender internationaler Wettbewerb beeinträchtigten die Wirtschaftlichkeit der Produktion. Insbesondere Kapazitätserweiterungen in Asien hätten zu weltweiten Überkapazitäten geführt, so das Unternehmen. Die Auslastung der Anlagen sei entsprechend gesunken und dürfte nach Einschätzung von Covestro auf absehbare Zeit niedrig bleiben.

Am Standort Antwerpen fährt die Covestro NV nach eigenen Angaben seit 2022 steigende Verluste ein. Die bisherige Struktur der Polycarbonat-Produktion sei deshalb wirtschaftlich nicht mehr tragfähig. Spezialpolycarbonate und Anilin bleiben im Fokus

Die künftig verbleibende Polycarbonat-Linie soll stärker auf Spezialwerkstoffe ausgerichtet werden. Dazu zählt das hochtemperaturbeständige Copolycarbonat "Apec". Der Großteil der übrigen Aktivitäten in Antwerpen soll unverändert fortgeführt werden. Dies betrifft insbesondere die Polyether-Produktion und das dortige Technologiezentrum, das an der Weiterentwicklung von Polycarbonat-Prozesstechnologien für den gesamten Konzern arbeitet.

Die bereits angekündigte Investition in eine neue Anilin-Produktionsanlage will Covestro wie geplant durchführen, berichtet die Fachpresse in Deutschland. Der Standort soll damit weiterhin eine zentrale Rolle als Anilin-Produktionsstandort in Europa übernehmen.

Konsultationsverfahren vor endgültiger Entscheidung

Mögliche personelle Auswirkungen betreffen sowohl die Produktion als auch unterstützende Funktionen. Das Unternehmen hat das gesetzlich vorgeschriebene Informations- und Konsultationsverfahren mit den Arbeitnehmervertretern eingeleitet – das sogenannte „Renault-Verfahren“.

Erst nach Abschluss der Gespräche und der Prüfung der Ergebnisse soll endgültig über die Umstrukturierung und deren Folgen für die Belegschaft entschieden werden. Angaben zum Zeitpunkt einer möglichen Umsetzung machte Covestro nicht.

„Das ist ein schwerer Schlag“, so die Gewerkschaften: „Die Geschäftsleitung hat immer gesagt: ‚We are one family‘, aber davon ist kaum noch etwas übrig. Jeder weiß, dass es Probleme in der Branche gibt, aber das ist eine sehr drastische Entscheidung. Wir haben noch keine Anzeichen dafür erhalten, dass auch in Deutschland Stellen abgebaut werden müssen. Die ganze Last lastet nun auf uns. Das ist absolut inakzeptabel.“

Belgiens Chemieverband fordert besseren Schutz vor unlauterer Konkurrenz

Der belgische Chemieverband Essenscia fordert nach der Ankündigung der drastischen Umstrukturierung bei Covestro in Antwerpen von der EU einen besseren Schutz vor unlauterer Konkurrenz aus China. Durch die Aktivitäten dort liegt ein weltweites Überangebot an Chemieprodukten vor. Nach Angaben des Branchenverbandes belasten zudem hohe Energiekosten und staatlich subventionierte Billigprodukte aus China die belgische Chemieindustrie.

Die EU müsse die Energiekosten senken, die Unternehmen von zu schweren Vorschriften entlasten und gegen die chinesischen Dumpingpreise vorgehen sagte Barbara Veranneman von Essenscia gegenüber VRT NWS. Belgien habe weiterhin gute Voraussetzungen für eine starke Chemieindustrie, doch die Politik müsse jetzt dringend handeln.

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